
Neuester Testbericht: ... als bei Akupunktur und Akupressur, nicht unbedingt nötig, ein Adreßbuch im Kopf zu haben ;-) Oft, aber nicht immer, liegen diese gedachten... mehr
Mit Füßen getreten
Shiatsu-Massage

Name des Mitglieds: anya66
Produkt:
Shiatsu-Massage
Datum: 01.08.01, geändert am 31.01.02 (848 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: tut unheimlich gut, beugt vor, lindert Beschwerden
Nachteile: zeitaufwendig, warum fürchten sich die Leute vor mir ?
Einen Augenblick zögerte ich. Dann hob ich mein Bein und trat zu.
... nein, nicht was Ihr denkt ... was ich hier mache, ist Shiatsu, eine Massagetechnik, die moderne Erkenntnisse der westlichen Medizin mit uralten überlieferten Behandlungsmethoden der Traditionellen chinesischen Medizin verbindet.
Ich hab hier gerade jemand in Arbeit, der Verspannungen im oberen Rücken hat. Ich bin gut im Gleichgewicht halten und weiß, wie ich ihm helfen kann. Ich stelle meinen rechten Fuß quer auf seinen Oberschenkel und verlagere mein Gewicht darauf, langsam und mit stetigem Druck. Dabei stütze ich meine Hände auf meinen Oberschenkel, um sofort reagieren zu können, wenn er sich dabei nicht wohlfühlt. Ich arbeite mich über beide Oberschenkel und versenke, neben ihm knieend, meine Daumen anschließend auch noch tief in einzelne Punkte.
Shiatsu als solches gibt es erst seit etwa hundert Jahren. Der japanische Therapeut Tamai Tempaku hat japanische und chinesische Techniken miteinander verwoben, und als buntes Muster hat er noch z.B. moderne Physiotherapie, Atemübungen, Massage, Meditation dazugefügt.
Nach östlicher Überzeugung sind Krankheiten und körperliches oder seelisches Unwohlsein auf Blockierungen zurückzuführen, die den Energiefluß im Körper stören. Diese Unausgeglichenheit kann von äußeren Umständen oder durch die heutzutage übliche hektische Lebensweise hervorgerufen werden.
Was nun ist Shiatsu?
Shiatsu ist ruhiger, entspannter Druck mit Daumen und Handballen, aber auch mit Ellenbogen, Knien und Füßen. Dazu kommen Atemübungen, dehnen und strecken. Die Massage soll die Blockierungen in den Energiebahen lösen, Energie bringen oder nehmen – ganz, wie der Massierte das braucht.
Anders als bei der Akupressur, bei der einzelne Punkte gedrückt werden, werden bei der Shiatsu-Massage Gruppen von Punkten mit verschiedensten Techniken punktuell oder flächig bearbeitet. Die Punkte liegen auf den sogenann
ten Meridianen, den Kanälen, in denen nach der Überzeugung der Asiaten die Lebensenergie im Körper zirkuliert.
Die Lebensenergie wird "Ki" oder auch "Chi" oder "Qi" genannt, was übersetzt auch "Atem" oder "Antriebskraft des Lebens" heißt. Ich denke mal, daß ich da nicht allzuweit suchen muß, um in "Chi" (gesprochen "tschi") auch einen Anklang an "Shiatsu" finde.
Es gibt zwölf Meridiane, die überwiegend nach den wichtigen Körper-Regionen benannt sind: Niere, Blase, Herz, Magen, Lunge, Dickdarm, Dünndarm, Dreifach-Erwärmer, Leber, Milz-Pankreas, Gallenblase, Perikard. Die meisten Akupressur- und Akupunktur-Punkte liegen auf diesen Meridianen und sind durchnumeriert, jeder Punkt hat also eine genaue Adresse. Für Shiatsu ist es aber, anders als bei Akupunktur und Akupressur, nicht unbedingt nötig, ein Adreßbuch im Kopf zu haben ;-)
Oft, aber nicht immer, liegen diese gedachten Kanäle auf Nervenbahnen, die Punkte, die gedrückt werden, auf Nervenknoten oder auf oder zwischen Muskeln. Jeder Punkt hat wieder Auswirkungen auf bestimmte andere Punkte oder Regionen im Körper.
Es gibt Punkte, die den Blutdruck senken oder anregen, es gibt Stellen am Fuß oder an der Hand, die bei schlimmen Kopfschmerzen helfen können. Die Rückseite der Beine zu massieren beugt Rückenbeschwerden vor oder kann vorhandene lindern.
Ich habe z.B. bei einem Kollegen erlebt, daß dessen Nierenstein, der bereits auf dem Weg in den Harnleiter war, durch gezielte Massage des Blasen- und des Nieren-Meridians sowie spezielle Qi-Gong-Übungen wieder zurück in die Niere wanderte, was nach Aussage seines Arztes so gut wie nie vorkommt. In der Niere konnte der Stein dann in ungefährliche kleine Teile zertrümmert werden.
Für jedes Wehwehchen ist nicht nur ein Kraut, sondern auch ein Punkt oder sogar ein ganzer Meridian gewachsen.
Und je nachdem, wie die Regionen bearbeitet
werden, wird der Energiefluß angeregt oder auf ein gesundes Maß reguliert.
Shiatsu ist nicht ausschließlich dafür da, Krankheiten oder Beschwerden zu heilen bzw. ihnen vorzubeugen, sondern auch, um ein Gefühl für die Beziehungen zwischen Krankheit und Gesundheit sowie ein Verständnis für das energetische System des Körpers zu erlangen, das Gleichgewicht im Körper herzustellen oder zu erhalten und ein erfüllteres Leben zu führen.
Deshalb ist es auch wichtig, nicht mal so schnell-schnell eine Shiatsu-Massage verpaßt zu bekommen.
Ein guter Masseur oder Therapeut bereitet sich und seinen Kunden vor, indem er – nach einem Einführungsgespräch, in dem das Ziel der Behandlung festgelegt wird, mit ihm zusammen ein paar Atem- oder Qi Gong-Übungen macht. Für eine Shiatsu-Massage sollte man deshalb etwas mehr Zeit mitbringen als für eine normale Massage.
Bei Shiatsu gibt es verschiedene Methoden:
Manche konzentrieren sich auf einzelne Punkte, die auch in der Akupunktur bzw. Akupressur wichtig sind.
Dies ist wichtig, wenn Beschwerden bereits aufgetreten sind und diesen entgegengewirkt werden soll. Nachdem es zu vielen Beschwerden auch sogenannte "Fernpunkte" gibt, heißt das, daß ich auch nicht unbedingt am Kopf massieren muß, um Kopfschmerzen zu lindern oder am Rücken, um bei einem Bandscheibenvorfall zu helfen.
Gerade dies macht, denke ich, den größten Unterschied zur westlichen Massage aus: Welcher westliche Masseur stürzt sich schon auf die Füße oder Knie, wenns um den Rücken geht?
Andere bearbeiten den ganzen Körper oder drücken entlang der Meridiane, der Energiekanäle des Körpers.
Dies kann helfen, wenn man Beschwerden hat (bzw. immer wieder: ihnen vorbeugen will), die nach östlicher Überzeugung mit einem bestimmten Körperorgan zusammenhängen (wenn jemandem etwas an die Nieren geht oder eine Laus über die Leber läuft oder jemand ein Hitzkopf ist ... komisch, in den Sprichwörtern wissen w
ir doch auch, was uns fehlt. Warum schütteln wir dann die Köpfe über die Asiaten?).
Eine dritte Gruppe erkundet vorab die "fünf Elemente", nach denen sie Diagnose und Therapie festlegt. Das ist zwar eher der esotherische Teil an Shiatsu, ist aber, wenn man sich ein bißchen damit beschäftigt, auch sehr interessant. Da erfährt man, welche Körperorgane welcher Jahreszeit, welchem Temperament, welchem Element, welcher Stimmung oder welcher Farbe zugeordnet werden können.
Das erinnert mich alles etwas an das jetzt so moderne "Feng shui", klingt aber alles recht plausibel, wenn man drüber nachdenkt.
Massiert wird meist auf einer dicken Matte (Isomatte ist zu dünn, Matratze aus dem Bett zu dick). Der "Patient" soll so längere Zeit ohne Beschwerden liegen können. Da einzelne Körperteile, je nach Art der Massage, auch mit Kissen und Decken gestützt oder gepolstert werden, sieht das manchmal recht abenteuerlich aus. Manche "Patienten" können halt besser auf dem Bauch liegen, wenn sie ein großes Kissen unter dem Oberkörper haben, Massagen der seitlichen Meridiane gehen am besten, wenn das obere Bein und der obere Arm mit dicken Polstern gestützt werden.
Hmm, was ist jetzt noch wichtig für den "Patienten": Anders als bei den westlichen Massagen zieht man sich hier nicht aus. Bei hoher Entspannung fällt nämlich die Körpertemperatur oft um mehrere Grade, deshalb ist warme, bequeme Kleidung (z.B. Jogging-Anzug) angesagt. Ich hab auch meist noch eine extra-Decke paratliegen. Der Masseur kommt aber oft ganz schön ins schwitzen!
Wer jetzt aber denkt, bei der Massage kann man mal so kurz wegpennen, ist falsch gewickelt: Der Massierte muß zum Teil recht aktiv mithelfen, sich drehen und wenden oder gegendrücken.
Vor allem ist es wichtig, daß sich der "Patient" sofort meldet, wenn er sich unwohl fühlt oder ihm etwas übermäßig wehtut. Denn es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen
einem wohltuenden Schmerz und einem, der einem nicht gut tut!
Freilich merkt ein erfahrener Masseur auch selbst an kleinen Bewegungen, an einem Zucken oder einem schnellen Atemzug, was los ist. Dann gibt es ja auch sanftere Methoden ;-).
Doch gerade als Anfänger ist man noch auf Rückmeldungen des zu Massierenden angewiesen. Es ist deshalb auch wichtig, daß der "Patient" den Ausbildungsstand des Masseurs kennt.
Angenehm ist es, wenn die Matte etwas breiter ist, so daß die Massierende (ich z.B.) auch darauf knieen oder sitzen kann. Es sollte rundherum etwas Platz sein. In einer Stunde rotiert man schon einige Male um den zu Massierenden herum ;-)
Nachdem mein "Opfer" einen sitzenden Beruf hat, sind auch seine Sehnen und Muskeln in den Beinen sehr vernachlässigt. Ich kann hier helfen, indem ich seine Unterschenkel nach oben in Richtung Po drücke, erst einzeln, dann gemeinsam und zum Schluß überkreuz. Da kann ich dann schon mein ganzes Gewicht einsetzen. Muskelkater sollte er nicht bekommen, da ich behutsam anfange und die Intensität nach und nach steigere.
Wie hier sieht es für unbeteiligte Zuschauer bei Shiatsu oft so aus, als wolle man den hilflos daliegenden verknoten, verbiegen, ihm die Gelenke herausziehen, das Schulterblatt abhebeln, ihm sämtliche Knochen brechen. Gerade, wenn nicht nur die Hände, sondern Ellbogen, Knie oder Füße eingesetzt werden und der Masseur sich mit vollem Gewicht in die Arbeit stürzt – aber glaubt mir, es sieht wirklich nur so gefährlich aus.
Ich massiere gerne und bin auch oft professionell massiert worden – soweit ein Könner am Werkeln ist, tut alles wirklich unheimlich gut.
Lernen kann man Shiatsu, wenn man etwas Zeit und viel Gefühl aufbringt, in den meisten größeren Städten. Einführende Kurse werden manchmal auch von den örtlichen Volkshochschulen angeboten. Und wenn man, wie ich, nicht nur Spaß am Massiert-werden, sondern auch am Massieren hat, tut
das vor allem auch Freunden und der Familie gut. (Nur, es traut mir immer keiner, warum denn nur *heul* die wissen ja gar nicht, was sie verpassen!).
Eine Warnung vorab: Shiatsu kann schon anstrengend sein, vor allem der Masseur braucht Muskeln, die sonst niemand benötigt (ich sprech da echt aus eigener Erfahrung!). Es wird viel mit dem Körpergewicht gearbeitet, was vor allem für Fliegengewichte anfangs schwierig sein kann - da gibts aber andere Techniken, die das Körpergewicht wieder ausgleichen.
Der Gleichgewichtssinn sollte, vor allem bei den Techniken mit Ellenbogen, Knien oder Füßen, ausgeprägt sein, damit man nicht durch schwankende oder unsichere Bewegungen dem Patienten unabsichtlich wehtut.
Der Preis bezieht sich auf den ungefähren Preis einer Stunde Massage. Genau kann ichs aber nicht sagen, weil ich meine Massagen im Rahmen eines Kurses bekommen und ausgeteilt habe.
So, jetzt widme ich mich weiter meinem Freund hier auf der Matte. Viel Spaß noch bei diesem tollen jetzt schon fast frühlingshaften Wetter!
© anya66
P.S.: Ich hab noch etwas im Net gestöbert und schöne Seiten über Shiatsu gefunden, wo Ihr alles nachlesen könnt, was ich vergessen habe oder nicht ganz so ausführlich bringen wollte: www.shiatsu-austria.at, www.shiatsu-gsd.de
Fazit:
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