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Papa, ich werde Dich nie vergessen
Hintergrundinfos-Krebs

Name des Mitglieds: GiniX
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Hintergrundinfos-Krebs
Datum: 01.01.02, geändert am 01.01.02 (536 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: XXXXXXXXXXXXXXXXX
Nachteile: Warum musste er so lange leiden
Ich möchte heute über ein sehr einschneidendes Thema schreiben, das mein Leben sehr verändert hat.
Und zwar es um meinen Papa:
Es war genau am 26. April 1996 als meine Mutter – die in derselben Straße, nur ein paar Häuser von mir entfernt wohnt -, mich völlig aufgelöst anrief. Sie weinte und sagte mir unter Tränen, dass mein Vater wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen hätte und dass der Notarzt schon unterwegs sei. Ich muss dazu sagen, dass ich an diesem Tag Urlaub hatte, deshalb bin ich sofort zu meinen Eltern gelaufen. Der Arzt war schon da, aber er konnte keinen Herzinfarkt feststellen. Stattdessen haben sie ihn ins nahegelegene Krankenhaus mitgenommen.
Meine Mutter und ich sind mit dem Auto hinterhergefahren. Im Krankenhaus angekommen hat man festgestellt, dass mein Vater ein Aneyrysma (die Hauptschlagader in der Brust ist geplatzt) hatte. Er hatte Glück dass er noch lebte wurde uns mitgeteilt (was wir am Ende einer schrecklichen Krankheit und einem furchtbaren Leidensweg nicht mehr so „positiv“ gesehen haben).
In dem Krankenhaus, wo mein Vater eingeliefert wurde, wird eine solche Operation aber nicht durchgeführt, deshalb wurde er in ein anderes, ziemlich weit entferntes Krankenhaus gebracht. Dort wurden meiner Mutter und mir gesagt, dass diese Operation lebensgefährlich sei, oder dass mein Vater danach gelähmt bleiben könnte (was für ihn in der Hinsicht tragisch wäre, weil er ohnehin nur ein Bein hatte. Das andere Bein hatte er im Krieg verloren.)
Mein Vater wurde also operiert und er hat diese Operation auch überlebt. Allerdings war er tatsächlich gelähmt. Er konnte von selbst nicht mehr aufstehen.
Als er dann nach mehreren Wochen von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt wurde und wieder „richtiges Essen“ bekam, hatte er immer fürchterlich Schmerzen beim Schlucken. Er wurde daraufhin untersucht und die Ärzte hatten im Kieferbereich einen großen Krebstu
mor festgestellt. Sie sagten meiner Mutter, dass dieser inoperabel sei, und sollten sie doch operieren, müssten sie so viel von seinem Gesicht wegnehmen, dann wäre das Leben für meinen Vater nicht mehr lebenswert. Also wollte sie ihn zum Sterben nach Hause schicken.
Dann wurde aber noch eine andere Alternative angesprochen. Mein Vater sollte wiederum in ein anderes Krankenhaus verlegt werden. Dort sollte er sich dann einer Strahlentherapie unterziehen. Also wurde er wieder verlegt. Er hat in dieser Zeit sehr viel mitgemacht. Mein Vater bekam die Strahlentherapie, einen Luftröhrenschnitt und einen künstlichen Darmausgang. Es war furchtbar.
Dann – nach langer Zeit – wurde er nach Hause entlassen. Meine Mutter hatte zwei Pflegekräfte (Susanne und Dirk), denen ich hier auch noch einmal meinen aufrichtigsten Dank für ihre aufopfernde Pflege und Liebenswürdigkeit bedanken möchte. Sie kamen 3 mal am Tag, morgens, mittags und abends. In der Zwischenzeit hat sich meine Mutter und ich uns um meinen Vater gekümmert.
Leider konnte meine Mutter überhaupt nicht mehr aus dem Haus. Sie konnte meinen Vater ja nicht alleine lassen. Und ich musste leider arbeiten und konnte nur am Wochenende bei meinem Vater bleiben, damit meine Mutter auch mal rauskam.
Als mein Vater dann endlich die Pflegestufe III bekam, fragte mich meine Mutter, ob ich zwei Tage in der Woche bei Papa bleiben könnte, damit sie wenigstens etwas Abwechslung hätte. Da ich bei einer Behörde in Hamburg arbeite, war das kein großes Problem. Natürlich wollte ich. Ich sprach also mit meinem Chef und wir haben einen Zusatzvertrag gemacht, der beinhaltete, dass ich bis auf Weiteres nur drei Tage in der Woche arbeitete. Das bedeutete natürlich auch, dass ich weniger Geld bekam. Diese Differenz hat mir dann meine Mutter von der Pflegeversicherung gezahlt.
Eigentlich wollte ich das Geld nicht, aber leider bin ich darauf angewiesen gewesen. Also habe ich im August 1997 nu
r noch mittwochs, donnerstags und freitags gearbeitet. Der Montag und der Dienstag gehörte meinem Vater. Ich habe damals gar nicht gewusst, was ich – hinsichtlich der Krankenpflege – alles machen kann. Ich möchte hier nicht alle Details aufschreiben, aber ich habe wirklich viele Dinge verrichtet, die sonst nur eine Krankenschwester macht.
Mein Vater war inzwischen so abgemagert (der Krebs hatte sich in die Lungen und in den Kopf „gefressen“). Er wurde nur noch künstlich mit Astronautenkost ernährt. Er war nur noch Haut und Knochen. Es war schrecklich.
Dann, es war der 24. Oktober 1997 (ein Freitag) – ich war inzwischen krankgeschrieben, weil ich nur noch am weinen war – fragte mich meine Mutter, ob ich mal kurz zu ihr raufkommen könnte. Sie wollte Blumen für mich kaufen, denn ich hatte am nächsten Tag Geburtstag. Also bin ich zu ihr raufgegangen und meine Mutter ging los.
Ich hatte mich zu Papa ans Bett gesetzt, aber er nahm mich nicht wahr. Das ging schon seit einer Woche so.
Also ging ich wieder ins Wohnzimmer und bald darauf kam auch meine Mutter mit den Blumen und ein paar Brötchen wieder. Sie machte uns Kaffee und wir aßen Brötchen. Als ich in der Wohnstube noch eine geraucht habe, ist meine Mama zu meinem Vater ins Zimmer gegangen.
Plötzlich stand sie völlig aufgeregt bei mir im Wohnzimmer und meinte, dass Papa so komisch atmet. Ich bin ihr sofort ins Schlafzimmer gefolgt. Wir haben uns beide an sein Bett gesetzt, ihn gestreichelt..... seine Atmung wurde immer weniger. Und dann, ein letzter Atemzug und Papa war eingeschlafen, für immer.
Der ganze Tag war einfach nur schrecklich. Als mittags die Pflegerin Susanne kam, habe ich mit ihr zusammen das Zimmer hergerichtet (die ganzen Medikamente weggestellt, Papa das angezogen, was er am meisten geliebt hat – Jogginghose und ein Hemd, das Rollo halb hinuntergezogen, eine Kerze aufgestellt). Ich weiß bis heute nicht, woher
ich die Kraft genommen hatte.
Meine Mutter hatte inzwischen meine Geschwister benachrichtigt, die dann alle zu uns kamen. Ich bin den ganzen Tag immer wieder zu meinem Papa ans Bett gegangen, habe ihn gestreichelt und mit ihm gesprochen. So konnte ich mich von ihm verabschieden.
Als dann abends das Bestattungsinstitut kam und meinen Papa abholte bin ich zusammengebrochen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Meine Brüder haben es dann geschafft, mich etwas zu beruhigen. Später dann am Abend ist meine Mutter zu meiner Oma gefahren und hat dort geschlafen. Ich bin auch nach Hause gegangen. Mein Geburtstag war furchtbar. Ich habe nur da gesessen.
Ich werde diese Zeit in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Inzwischen sind ja schon einige Jahre ins Land gegangen und ich denke mit sehr viele Liebe und Dankbarkeit an meinen Papa. Es tut nicht mehr so weh. Aber ich vermisse ihn heute noch.
Papa, ich liebe Dich!
Fazit:
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