
Neuester Testbericht: ... Lauf. Wieder drei Monate später, fühlte ich mich schon etwas propper. Mein Bauch war wieder mal kugelrund und ich hatte richtig rich... mehr
Engel Nr. 2 kommt (obwohl es eher ein kleines Teufelchen ist)
Natürliche Geburt

Name des Mitglieds: jolinchen
Produkt:
Natürliche Geburt
Datum: 01.10.08, geändert am 15.11.09 (326 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Immer wieder eine Geburt im Krankenhaus
Nachteile: Schmerzen ohne Ende
Hallo Ihr Lieben,
ich habe lange überlegt, ob ich noch einen Bericht über eine Geburt schreiben soll, da es ja eigentlich kein Testbericht in dem Sinne ist und daher vielleicht für die meisten gar nicht so interessant sein könnte. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass vielleicht die ein oder andere werdende Mutter ein paar Tips für sich mitnehmen kann.
Also hier mein 2. Bericht über meine 2. und auch letzte Geburt.
Zur Entstehungsgeschichte:
Wie genau so ein neues Leben entsteht, weiss wohl jeder und daher möchte ich dazu natürlich nichts schreiben. Meine Erfahrungen sind allerdings so gewesen, dass ich bei beiden Kinder entweder im oder direkt nach dem Urlaub schwanger wurde. Hat es vielleicht doch etwas damit zu tun, dass der Körper dann so herrlich entspannt ist? Meine ältere Tochter war gerade ein Jahr alt, als wir heirateten. Als Geschenk hatte sich meine Mutter als Babysitter zur Verfügung gestellt und so konnten wir wenigstens ein paar Tage flittern. Der Kurzurlaub war herrlich und wie gesagt, ich kam schwanger zurück.
Schwanger oder nicht, dass sagt Dir gleich der Test:
Genau wie bei meiner ersten Schwangerschaft fühlte ich es irgendwie, dass ich schwanger bin. Ich bekam z.B. leichtes Ziepen im Unterleib und das allgemein bekannte morgendliche Übelkeitsgefühl. Also ging ich wieder in die Apotheke und habe mir einen Schwangerschaftstest gekauft. Diesmal reagierte der Test sogar bein ersten Versuch sofort und zeigte mir tolle hellblaue Streifen. Natürlich hab ich erstmal nichts gesagt, da ich erstmal zum Arzt wollte. Dort bekam ich auch am nächsten Tag einen Termin und auch sein Befund war eindeutig: schwanger!
Dazu muss ich noch sagen, dass wir eigentlich nach dem ersten Kind abgeschlossen hatte und auch kein zweites Kind geplant war. Also war es wieder ein gemischtes Gefühl zwischen Freude und "Nein, ich will doch gar nicht". Mein Arzt erweiterte somit meinen Mutterpass und stellte erstmal fest: 4-5 Schwangerschaftwoche.
Ich ging nach Hause und legte wieder den Test mitten auf den Tisch. Mein Mann kam, sah den Test und fing an zu lachen. Ich glaube, ich könnte auch noch 20 Kinder bekommen, er würde jedes Mal gleich reagieren.
Die Schwangerschaft:
Diese Schwangerschaft verlief eigentlich ziemlich ruhig. 27.06. wurde die Schwangerschaft festgestellt und ich hatte ein Anfangsgewicht von 50 kg. Die ersten drei Monate gingen schnell und einfach um. Ich hatte zwar eine morgendliche Übelkeit, aber habe dann morgens vor dem Aufstehen einen kleinen trockenen Keks gegessen und dann ging es auch. Erbrechen musste ich Gott sei Dank nie, sonst wäre ich auch drei Monate lang am dauerjammern gewesen. Da ich immer relativ niedrigen Blutdruck habe, hatte ich damit auch ein paar Probleme, aber wie gesagt, alles nicht wirklich schlimm.
02.10 war ich wieder beim Arzt und mein Baby entwickelte sich prima. Mein Gewicht zu der Zeit lag bei 54,7 kg, also alles im Normbereich. Ich bekam ein Foto mit nach Hause und alles nahm seinen normalen Lauf.
Wieder drei Monate später, fühlte ich mich schon etwas propper. Mein Bauch war wieder mal kugelrund und ich hatte richtig richtig Rückenschmerzen. Man sagte mir, dass sich irgendwelche Bänder dehnen würden und man an diesen Rückenschmerzen leider nichts machen könnte. Also würde dass halt so bleiben bis Ende der Schwangerschaft. 03.01 des darauffolgendes Jahres war ich in der 34. Schwangerschaftswoche und lag bei 66 kg. Das waren dann schon 16 kg von meinem Ausgangsgewicht entfernt und ich hatte noch sechs Wochen.
In dieser Schwangerschaft hatte ich mir vorgenommen, einen Schwangerschaftskurs zu besuchen. Nun, ich war auch einmal da. Leider war es gar nichts für mich. Aber das muss wirklich jede Schwangere für sich selbst entscheiden. Ich lag wie eine Schildkröte mit meinen Kilos auf dem Rücken und sollte in einer bestimmten Art und Weise atmen. Das hab ich auch versucht, bin aber zu dem Schluss gekommen, wenn ich so atme, ersticke ich. Ich bekam irgendwie überhaupt nicht mehr richtig Luft und das hatte sich dann wieder erledigt für mich. Kein Kurs. Irgendwie kommt das Kind auch so raus, dachte ich mir.
Was ich allerdings auch in dieser Schwangerschaft ab der 37. Woche gemacht habe, ist die Akkupunktur, die ich auch schon bei meiner ersten Tochter gemacht hatte. Durch diese bestimmte Akkupunktur soll sich der Muttermund schneller öffnen und das hatte ja bei der ersten Geburt super geklappt. Es kann ja nicht schnell genug gehen, so dachte ich mir zu dem Zeitpunkt noch. Ich wusste ja nicht, dass das vielleicht doch seine Konsequenzen hat.
Der letzte Eintrag in meinem Mutterpass ist vom 12.02 (40 Schwangerschaftswoche). Mein Gewicht: 72,3 kg !!!!! Also wieder Kugelfisch. Na ja, immerhin fünf Kilogramm weniger als bei der ersten Schwangerschaft.
Der Arzt sagte, es wäre alles ok und die Dinge könnten so ihren Lauf nehmen.
Eines Morgens (es war genau errechneter Geburtstermin 18.02) wachte ich auf und es ziepte im Unterleib. Waren das Wehen? Ich hatte es ja bei der ersten Geburt anders erlebt und kannte keine "normalen Wehen". Also sind wir ins Krankenhaus gefahren. Dort kam ich an das CTG und die Wehen wurden gemessen. Dem Kind ging es gut, nur der Muttermund war zu. Also sagte man mir, ich solle laufen. Also sind wir ein paar Kilometer im Krankenhaus auf und ab gelaufen und dann wieder zur Untersuchung. Leichte Wehen ja, Muttermund offen nein. Dann kam die Hebamme und wollte bei mir eine bestimmte Technik ausprobieren, womit sich der Muttermund öffnet. Wie diese Technik heisst, weiss ich nicht. Ich nenne es mal "Ich reiss Dir mit der Hand den Unterleib auf". So kam es mir vor. Es tat höllisch weh und brachte keine Wirkung.
Das Ende vom Lied, ich wurde wieder nach Hause geschickt.
Die Geburt:
Drei Tage später, es war der 21.02., saß ich abends auf der Couch, meine grosse Tochter schlief und ich telefonierte. Es war genau 21.15 Uhr als ich mit meiner Freundin aufhörte zu quatschen. Ihre Worte waren:"Sieh mal zu, dass die Kleine jetzt mal langsam kommt". Hörer aufgelegt und dann durchfuhr mich ein richtig ziehender Schmerz im Unterleib. Es machte irgendwie "knack". Ich bin aufgesprungen (na ja, soweit man das halt noch kann als Kugelfisch) und lief ins Badezimmer. Für alle Männer und für alle die nichts ab können, hier bitte nicht weiterlesen.
Auf dem Klo kam ein dicker roter Blutbrocken und mir wurde schwindelig. Danach lief mir das Fruchtwasser die Beine runter und ich heulte. Dann kam mein Mann ins Bad und guckte mich erschrocken an. Ich schrie ihn an, er solle rausgehen. Er sagte dann, ich solle mich anziehen, wir müssten ins Krankenhaus. Das wäre doch Fruchtwasser. Ich schrie ihn wieder an, dass ich nirgendwohin gehe, da die mich im Krankenhaus eh wieder nach Hause schicken würde und blieb auf Toilette stehen und sperrte die Tür ab.
Mein Mann lief ins Wohnzimmer und rief meine Stiefmutter an. Dann klopfte er an die Tür und sagte, meine Stiefmutter wolle mit mir reden. Ich ging ans Telefon und sagte auch ihr, ich ginge nirgendwohin. Ich hatte ja keine Wehen. Meine Stiefmutter kam bei mir Dickkopf auch nicht weiter und ich hockte immer noch auf Toilette. In dem Moment passierte es. Es war mittlerweile 21.45 Uhr und die Wehen kamen. Aber nicht so, wie es in Büchern beschrieben steht: leicht, kaum spürbar, alle 15 Minuten oder so. Nein, sie kamen in kurzen Abständen und so richtig aua.
Also schrie ich diesmal meinen Mann an, dass ich doch ins Krankenhaus müsste und er solle sich beeilen. Meine Mutter war schon da, um auf meine andere Tochter aufzupassen und wir fuhren ins Krankenhaus.
Nach endlosen 10 Minuten waren wir da und ich kroch mehr oder weniger zum Kreissaal. Im Kreissaal ging alles sehr schnell und ich lag auf dem Bett. Ich weiss nur, dass ich immer wieder schrie:"Ich will eine PDA!!!". Die Ärztin sagte mir immer, gleich würde jemand kommen. Der Anästhesist wäre noch in einer OP, würde aber gleich zu mir kommen. Zu meinem Mann sagte sie allerdings (hab ich später erfahren), dass es viel zu spät für eine PDA wäre, das Kind würde gleich kommen.
Es tat so weh und ich hab mich wirklich zum Affen gemacht in dem Kreissaal. Ich hab so geschrien, der Ärztin die Kniescheibe fast verdreht und meinem Mann die Hand gequetscht.
Um 22.54 Uhr war es dann soweit: Meine Tochter Jolina Fabienne war da und ich hatte es überstanden (so dachte ich zumindest). Sie war 51 cm gross und 3640 g schwer. Ich finde, dass ist schon ein ganz schöner Brocken, den man sich dann rausquetschen muss (mal an alle Männer gerichtet).
Ich bekam mein Baby auf dem Arm und dann ging der Ärger weiter. Der Arzt (er hatte mittlerweile die Ärztin von vorher abgelöst) sah beunruhigt aus. Mein Baby musste ich abgeben und mein Mann musste den Kreissaal verlassen. Was war jetzt schon wieder, dachte ich. Der Arzt sagte mir, ich würde sehr viel Blut verlieren und er müsste mich operieren. Es würde gleich der Narkosearzt kommen und ich würde eine Vollnarkose erhalten. In dem Moment bekam ich Angst, aber gut, man kann ja nicht weglaufen. Der Arzt saß also vor mir, zwischen meinen Beinen und ich sag nur, wie er einen rotten Lappen nach dem anderen weglegte. Dann sagte er in einer beängstigend ruhigen Stimme:"Ich muss jetzt anfangen. Wenn der Narkosearzt nicht jetzt kommt, muss ich ohne Narkose anfangen. Ich kann nicht mehr warten." Jetzt bekam ich richtig Angst. Angst davor, jetzt wo alles überstanden war, zu verbluten.
Dann riss jemand die Tür auf und alles ging ganz schnell. Es wurde auch nichts geredet oder erklärt oder gar Unterschriften eingesammelt. Ich bekam in dem Kreissaal die Nadel in den Arm, das Narkosemittel wurde gespritzt und weg war ich.
Nun, ich wachte Gott sei Dank auch wieder auf und fühlte mich schlecht. Richtig schlecht. Mein Mann war weg, mein Baby war weg und ich kam dann irgendwann auf mein Zimmer. Nach kurzer Erholungszeit bekam ich jedoch Mann und Baby zurück.
In den Tagen danach erfuhr ich, dass ich wohl eine von den Frauen gewesen wäre, die ohne Klinik und ohne Arzt diese Geburt nicht überlebt hätte. Das hat mir schon ein wenig Angst gemacht und daher käme für mich auch eine Hausgeburt niemals in Frage. Jede Frau sollte sich das meiner Meinung nach sehr gut überlegen, denn in der Schwangerschaft gibt es leider keine Anzeichen für so eine Geschichte. Ich bin froh, mich für ein Krankenhaus entschieden zu haben.
Nun noch ein Geheimtip:
Vielen Frauen kennen ja den sogenannten Dammschnitt (das ist der Schnitt zwischen Vagina und After, der die Öffnung grösser macht für den Babykopf). Nun diesen Schnitt hatte ich nicht, aber dafür bin ich gerissen. Äusserst unangenehm, kann ich sagen. Dieser Riss hat sich zu meinem Entsetzen entzündet. Aber so richtig. Als ich am vierten Tag wieder zur Untersuchung zum Chefarzt sollte, konnte ich dem nur noch eines sagen:"Bitte nicht anfassen"! Es tat alles so weh, ich konnte nicht sitzen, nicht laufen, nichts. Ich hatte das Gefühl, mein Unterleib wäre auf die Grösse eines Ballons angeschwollen. Der Arzt sah und sagte nur:" Nein, da kann ich nichts untersuchen". Er hilft mir auf und sagte mir, ich solle mir bei der Schwester eine Flasche Otriven Nasenspray holen. Hääääääh? Viele Fragezeichen in meinen Augen. Erst dachte ich, er hat sich versprochen oder ich habe mich verhört und fragte nochmals nach. Nein, es stimmte. Ich sollte mir das Nasenspray mehrmals am Tag zwischen die Beine auf die Entzündung sprühen. Und das machte ich dann auch. Ich kann nur sagen: Ein Wundermittel. Schon nach einem Tag war alles merklich abgeschwollen und tat nicht mehr so weh. Es ging dann schnell und ich konnte mich sogar wieder richtig hinsetzen.
Ist alles kein Scherz. Denn auch in dem Bereich handelt es sich ja um Schleimhäute.
So, in diesem Sinne.
Ich hoffe, ich habe Euch nicht zu sehr gelangweilt und verspreche, noch eine Geburtsgeschichte kommt nicht. Mir haben diese beiden gereicht.
Ich freue mich über eure Mails, über eure Erfahrungen und über eure Kommentare.
jolinchen
Fazit: Ende gut, alles gut
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