Minox B
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Neuester Testbericht: ... winzigen Negativformates, das man sehr stark vergrößern muß, um ein normal großes Bild zu erhalten). Die Minox B funktioniert (natürl... mehr

Nicht nur für Agenten gut
Minox B

Schleichdi

Name des Mitglieds: Schleichdi

Produkt:

Minox B

Datum: 27.01.01, geändert am 27.01.01 (3547 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: klein, gut, schick

Nachteile: sehr kleine Negative, teuere Kamera, teuere Filme

Die Welt besteht jetzt nur noch aus Motiven. Weil ich meine Kamera ab sofort immer dabei habe. Seit ein paar Wochen bin ich glückliche Eigentümerin einer Minox B, der Minox, die am längsten gebaut (von 1958 bis 1972) und in großen Stückzahlen verkauft wurde. Gleich zu Beginn möchte ich die nicht ganz so stark an dieser Kamera interessierten Leser darauf hinweisen, daß am Ende des Textes eine kurze Zusammenfassung steht, die alles Wichtige enthält ;-)

Ich möchte Euch berichten von einer winzigen Kamera des Negativformates 8 mm x 11 mm, das erstmals 1938 in der von Minox-Gründer Walter Zapp erfundenen Riga-Minox verwendet wurde. Von Riga in Litauen wanderten Walter Zapp und seine Minox-Produktion nach Wetzlar aus, wo auch Leitz (Leica!) den Firmensitz hat. (Und seit ein oder zwei Jahren gehört Minox auch direkt zu Leitz.)

Ein von Leitz abgeworbener Objektivbauer berechnete das ab der Minox A (ab 1948) eingesetzte vierlinsige Objektiv "Complan 1:3,5/15 mm, das bis 1969 in jeder 8x11-Minox Verwendung fand. Dem Qualitätsstandard bei Leitz entsprechend hoch ist die Qualität dieses Objektives. Es hat nie ein schärferes gegeben. Selbst das neuere Minox-Objektiv ab 1969 hat zwar ein paar Vorteile* (siehe nächster Absatz, wen's interessiert), aber sein Auflösungsvermögen bleibt angeblich hinter dem des Complan noch ein bißchen zurück.

*) Z. B. ermöglicht das neuere Minox-Objektiv eine plane Filmführung, während diese hinter dem Complan gebogen war, was manchmal Probleme beim Filmtransport gab: Wenn sich ein Stäubchen auf der scharfen Kante festsetzte, wurden beim Transport "Telegrafendrähte" von Kratzern über das Negativ gezogen.

Ich selbst habe eine Minox B von 1956, so hat es mir jedenfalls Minox auf meine E-Mail-Anfrage hin mitgeteilt. Da diese Kamera erst ab 1958 gebaut wurde und meine eine recht hohe Seriennummer aufweist, nehme ich an, daß sie von 1966 stammt. Sie ist schon ein bißchen abgestoßen, aber technisch vo
ll okay. Solche Exemplare sind recht häufig im Umlauf, zu finden z. B. auf der Homepage der Minox GmbH (www.minox.de) im Forum oder bei E-Bay. Die Preise bewegen sich im Bereich zwischen 210 und 300 DM für eine Minox mit deutlichen Gebrauchsspuren. Besser erhalten wird's teurer. Billigere Exemplare haben Macken, z. B. einen nicht mehr funktionierenden Belichtungsmesser oder ein getrübtes Objektiv.

Die Minox B ist winzig klein: 9,7 cm lang, 1,5 cm breit und 2,2 cm tief. Durch die geringe Größe ist sie leicht (92 g), aber nicht zu leicht. Man merkt deutlich, daß man ein qualitativ hochwertiges feinmechanisches Meisterwerk in der Hand hat, das aus viel Metall und überhaupt keinem Plastik besteht.

Schon seit ich das Prachtstück zum ersten Mal ausprobiert hatte, juckte es mich in den Fingern, eine Meinung darüber zu schreiben, weil die kleine Kamera einfach Spaß machte. Ich habe aber lieber gewartet, bis ich den ersten Film entwickelt zurück hatte. Dann habe ich ein paar Bilder vergrößert und kann Euch bestätigen, daß die Minox nicht nur sehr gut aussieht, sondern auch erstaunlich gute Bilder macht (trotz des wahrlich winzigen Negativformates, das man sehr stark vergrößern muß, um ein normal großes Bild zu erhalten).

Die Minox B funktioniert (natürlich, ging damals ja gar nicht anders) voll mechanisch. Eine Blende gibt's nicht (es wird also immer die volle Öffnung genutzt), die Verschlußzeiten lassen sich von B/T über eine halbe Sekunde bis zur 1/1000 stufenlos einstellen. Daran gekoppelt ist ein Selenzellen-Belichtungsmesser. Das Tolle daran: Die Selenzellen produzieren Strom (wie die Solarzellen von heute), sie brauchen keine Batterie. Nachteile haben die Selenzellen auch: Erstens sind sie bei vielen älteren Kameras schon kaputt: Sie verbrauchen sich nämlich unter Lichteinwirkung. Darum sollte die Minox B auch immer in ihrem Ledertäschchen aufbewahrt werden. Zweiter Nachteil: Sie sind nicht sonderlich lichtempfindlich. Wenn es etwas
dunkler wird (und daher besonders schwer, die korrekte Belichtung einzuschätzen) versagen die Selenzellen und zeigen nur noch an, daß die Belichtungszeit "lang" sein muß (kein Ausschlag des Zeigers mehr).

Wenn es sehr hell ist und der Belichtungsmesser kürzere Zeiten als 1/1000 s anzeigen will (aber nicht kann, denn kürzer geht's nicht), schiebt man einfach das eingebaute Graufilter vor (Verlängerungsfaktor 6) und darf sich über die nun angezeigte längere Belichtungszeit freuen, denn der Belichtungsmesser ist auch an dieses Graufilter gekoppelt! Ein Grünfilter für die Schwarzweißfotografie ist auch noch eingebaut. Der Verlängerungsfaktor wird ganz einfach dadurch berücksichtigt, daß man nun den Belichtungsmesser nicht mehr mittels des Pfeiles sondern anhand des danebenliegenden Punktes abliest. Primitiv, aber es funktioniert.

Ich habe dem Belichtungsmesser (Beli) anfangs nicht getraut, und das war auch besser so, denn hätte ich mich nach ihm gerichtet, wären alle Bilder leicht überbelichtet worden. Ich habe einen Handbelichtungsmesser dazugenommen (der in die Spiegelreflex eingebaute Beli hätte es natürlich auch getan) und ihn sowie meine Minox auf verschiedene unterschiedlich beleuchtete Flächen gerichtet und festgestellt, daß meine Minox fast immer eine um etwa einen Blendenwert zu kurze Zeit anzeigte. So habe ich den Beli geeicht. Nun weiß ich, daß ich, wenn ich z. B. einen ISO-100-Film verwende, einfach 200 einstellen muß, und alles ist paletti.

Die Minox bietet ein tolles Ausstattungsmerkmal, das ihr besondere Eignung als Agentenkamera (für James Bond und Kollegen) verschaffte: Man kann damit auch Kleinigkeiten (wie z. B. streng geheime Dokumente) abfotografieren, denn der minimale Aufnahmeabstand beträgt ganze 20 cm! Bei derart geringen Aufnahmeabständen ist die Schärfentiefe natürlich erbärmlich. Beispiel: Bei Einstellung auf 20 cm ist der Bereich von 19 bis 21 cm scharf (Tabelle ist in der Anleitung enthalten), der Re
st verschwimmt. Wie will man so kurze Abstände genau einschätzen? Daß es mir gelungen ist, zeigt das neue Bild im meinem Profil, ein Glas heißer Äppelwoi vom Frankfurter Weihnachtsmarkt. (Man erkennt leider auch, daß ich das Glas oben fast abgeschnitten hatte, weil kleines dummes Schleichdi nicht an die Parallaxe gedacht hat. Parallaxe heißt: Der Sucher der Kamera liegt neben, bei Hochformataufnahmen über, dem Objektiv. Wenn ich nun sehr nah an ein Motiv herangehe (z. B. an das Glas) schneide ich dem Glas den oberen Rand ab und zeige dafür viel zu viel Boden unter dem Glas. Sehr ärgerlich wird das dann z. B. bei Menschen mit abgeschnittenen Kopf ;-).

Aber ich wollte ja über die Bestimmung der Entfernung schwadronieren: Eine jede Minox wird ab Werk mit einer Meßkette ausgeliefert, die Perlen genau in den auf der Entfernungsskala der Minox gravierten Abständen besitzt. Diese Kette läßt sich an der Kamera befestigen. Bei meiner Kamera fehlte sie, aber wenn ich mir jetzt eine kaufen wollte, würde ich drauf achten. Da sich der Anschluß zwischen Kette und Kamera geändert hat, paßt eine heute neu gekaufte Kette nicht mehr an die Minox. Wer so glücklich ist, eine alte Minox-B-Kette zu ergattern, sollte sie auch erst einmal "eichen" (ausmessen), denn es gab amerikanische Versionen mit anderen Kugelabständen, und es gibt Ketten, die sich im Laufe der Jahre gedehnt haben.

Ich selbst habe mir vorgenommen, in Zukunft ein kleines Metermaß mitzuführen, weil das mit dem Schätzen doch nicht immer zuverlässig klappt.

Das Fotografieren mit der Minox B erfordert schon einen gewissen Aufwand: Belichtung messen, auf das Verschlußzeitenrad übertragen, Entfernung messen oder schätzen, einstellen, endlich abdrücken. Für Schnappschüsse ist diese Methode nicht geeignet, aber kann dann ja (wie in der guten alten Zeit) Schnappschußwerte voreinstellen und einfach draufdrücken. Bei Sonne und ISO-100-Film wären das z. B. die 1/500 Sekunde (reicht auch für den
Schatten) und Entfernung auf den roten Punkt zwischen unendlich und 2 m. Damit wird dann alles zwischen 2 m und unendlich scharf.

Die heutigen Minoxe bieten übrigens in der hochwertigen Ausführung (CLX und TLX) noch kürzere Verschlußzeiten, einen besseren (weil elektrischen) Belichtungsmesser und eine wahlweise zuschaltbare Belichtungsautomatik. Dafür kosten sie dann aber auch knapp 2.500 bzw. knapp 2.000 DM. Besonders die wunderschöne CLX ist ein Traum, den ich mir irgendwann bei plötzlich ausbrechendem Reichtum ;-) wahrscheinlich erfüllen werde.

Zurück zur Minox B von damals:
Wie oben schon erwähnt, habe ich den ersten Film entwickelt zurückbekommen und ein paar Abzüge gemacht. Die Entwicklung mit Kontaktabzug kostete im Speziallabor Paarz/Göttingen übrigens 7,50 DM, die rätselhaften 3 DM auf der Rechnung werden wohl Versandkosten gewesen sein (?). Anhand des Kontaktabzuges kann man grob erkennen, was auf den Fotos drauf ist, aber die Schärfe läßt sich so überhaupt nicht beurteilen. 8 mm x 11 mm - das sind 88 mm², weniger als ein cm²!

Mein Vergrößerungsgerät ist für die Formate 6 x 6 und Kleinbild tauglich, und so verwundert es nicht, daß ich den Vergrößerungskopf bis ganz nach oben drehen mußte, um Vergrößerungen im Format nicht ganz 9 mal nicht ganz 13 (es blieb ein Rand) zu erhalten. Wer also gedenkt, Minox-Negative selbst zu vergrößern, sollte sich zumindest ein Objektiv mit einer Brennweite < 50 mm (vielleicht 35) anschaffen. Das am Rande.

Nun aber zur Bildqualität:
Ich war sehr erstaunt über die gute Schärfe und die fehlenden Fehler wie Verzeichnungen und Vignettierung. Die Hochhäuser in Frankfurt, fotografiert aus dem 16. Stock, also ohne verkanntete Kamera und daraus resultierenden stürzenden Linien, geben hierfür das beste Beispiel ab: Die geraden Linien direkt am Bildrand bleiben unverzeichnet gerade. Der viele Himmel obendrüber ist bis in die äußersten Ecken gleich hell. Das einzige was ein wenig stört,
ist das Korn. Man sieht es da, wo es auf feinste Details ankommt, wenn man z. B. einzelne Fensterchen der Hochhäuser anschaut (Film: Minopan 100). Abhilfe wäre da nur durch einen Film niedrigerer Empfindlichkeit zu schaffen (Minopan oder Agfaortho Doku 25). Überraschenderweise gibt es auch höherempfindliche Filme. Die Vergrößerungen des Minocolor 400 will ich lieber gar nicht sehen müssen. Farbsättigung und Korn können da gar nicht mehr toll sein. Ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht.

Zu den Kosten:
Minox-Kameras gibt es gebraucht ab gut 200 DM, wobei die Minox B die häufigste und damit auch billigste Minox ist. Die neuen Modelle beginnen beim Einsteigermodell EC für einige hundert DM (aber dann mit Fixfocus-Objektiv der Lichtstärke 1:5,6!) und enden bei der CLX für knapp 2.500 (schööön und gut). Daneben gibt es immer 'mal wieder Sondereditionen in schwarz und Gold, die noch deutlich teurer kommen, dafür dann aber wirklich Sammlermodelle ohne nennenswerten Wertverlust darstellen.
Teuer sind die Fotos selbst. Es gibt nur zwei Großlabore in Deutschland, die noch Minoxfilme verarbeiten. Ein Auszug aus der Preisliste von Paarz, Göttingen:

Standard-Vergrößerungen 9x13 schwarz-weiß: 1,00 DM
Farbig 7x10 (winzig): 1,10, 9x13: 1,35 DM.

Diese happigen Preise gelten für die Erstbestellung. Nachbestellung und Sonderwünsche sind teurer. Für meinen Geschmack ist allein deshalb die Minox-Fotografie nur etwas für Selbermacher oder Seltenfotografierer sowie für "Ichhabsjas". Na ja, wer sich eine neue Minox leisten kann, wird auch vor den paar -zig Mark für die Entwicklung eines Filmes nicht zurückschrecken.

Die Filme kosten um die 10 DM (Schwarz-weiß mit 36 Bildern) bzw. 12 DM (Farbe mit teils 30, teils 36 Aufnahmen).

Zusammenfassung meiner langen Ausführungen:
Die Minox B ist eine tolle kleine Kamera, die mit einem hervorragenden Objektiv immer noch gute Fotos macht, auch im Nahbereich bis 20 cm. Be
im Kauf sollte man darauf achten, daß der Belichtungsmesser noch funktioniert und die Meßkette vorhanden ist. Eine Anleitung wird man auch brauchen, aber die kann man sich auch direkt von Minox schicken lassen.
Die Filme und die Entwicklung sind ein bißchen teuer. Vorsicht: Die Minox B kann als Einstiegsdroge dienen und den Bedarf nach einer neuen Minox, z. B. der CLX, wecken. Erst dann geht's richtig ins Geld!

Viel Spaß beim Fotografieren wünscht Euch
Schleichdi

Fazit: