Ytong Bausatzhaus
Unser "weißes Haus", aus hartem Rasierschaum gebaut - Ytong Bausatzhaus Archiv Dienstleistungen

Neuester Testbericht: ... dass ich auch ohne, dass ich dieses Produkt bisher oft selbst verbaut habe, trotzdem einen Erfahrungsbericht darüber schreiben kann. Im Unt... mehr

Unser "weißes Haus", aus hartem Rasierschaum gebaut
Ytong Bausatzhaus

Swinny2000

Name des Mitglieds: Swinny2000

Produkt:

Ytong Bausatzhaus

Datum: 14.03.02, geändert am 14.03.02 (13167 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Sehr leicht, auch leicht zu verarbeiten, hervorragende Wärmeisolierung

Nachteile: Brüchig, mehlt stark, wegen Saugwirkung Gefahr für Verputz

Erfahrungsberichte über Baustoffe schreibt man am besten dann, wenn einige Jahre ins Land gegangen sind und das Gebäude noch immer nicht eingestürzt ist. Dann kann man so langsam die Schwachstellen am Bau erkennen, die ja in vielen Fällen eine Funktion der Zeit sind.

Die 1983 getroffene Entscheidung, mit YTONG Gasbeton zu bauen, hatte Gründe: vor allem in Hinblick auf die Heizkosten. Gasbeton ist ein sehr poröses Material, das am ehesten einem festgewordenen Rasierschaum gleicht, mit ca 0,5 mm großen Poren – gerade diese Porösität (wobei es sich um isolierte Poren handelt, also keine durchgehenden Kapillaren) ist entscheidend für den Wärmeschutz.

YTONG-Steine sind in Stärken zwischen 11 und 36 cm (für Außenmauern) lieferbar, B * H = 30 * 60 cm. Außerdem gibt es noch 5 cm dicke Platten für Verkleidungszwecke und andere Spezialgrößen.

Eine Besonderheit ist das Mauern selbst: eigentlich wird gar nicht im klassischen Sinne „gemauert“ – was bedeutet, daß zwischen jeder Lage Steine eine Schicht Mörtel zum Nivellieren eingefügt wird – sondern die Steinewerden mit einem speziellen Baukleber (der dem im Baumarkt erhältlichen COLFIRMIT gleicht) aufeinandergeklebt. Dabei ist die Klebeschicht, die mit einer Zahnspachtel aufgetragen wird, nicht dicker als 1 mm und trägt also praktisch nicht auf – das ist wichtig für die Bemessung des Mauerwerks in der Höhe. Das spezielle daran ist, daß dieser Kleber – im Gegensatz zu normalem Mauermörtel – äußerst zugfest ist.

Durch die hohe Abmessungsgenauigkeit der Steine und die praktisch nicht existende Klebeschicht (die also nicht einberechnet werden muß), wird das Hochziehen einer Wand nach einiger Übung zur Routine – wenn man die Grundlagen des Mauerns wie Anzeichnen, Loten und Abmessen beherrscht (sowie beim Kleber das richtige Wasser-Pulver-Verhältnis zu finden).

Allerdings ist dieser Baustoff durchaus empfindlich. Zum einen ist er sehr le
icht. Zum andern ist er relativ weich. Das ist gut, wenn man ihn bearbeiten muß – man kann ihn praktisch mit dem Küchenmesser schneiden (allerdings ist eine spezielle Steinsäge für Handbetrieb im Angebot), er zerbröselt wie Bimsstein. Das bedeutet, daß gerade Tragmauern dementsprechend massiv sein müssen. Es bedeutet auch, daß man bei der Planung genügend Auflagefläche für Deckenelemente nicht vergessen darf. Und gerade die Kanten der Steine brechen beim Abnehmen von der Palette und beim Verladen gerne aus – also nichts für Sichtmauerwerk, das perfekt sein soll. Laut Anleitung sollte man bei JEDEM Stein vorher mit einer Art Schmirgelbrett die Kanten abschrägen – aber wer hat dazu auf dem Bau die Zeit?

Dafür wiederum sind gerade Schlitze für Installation und Elektrik relativ leicht zu machen – sind dafür aber auch eine sehr staubige Sache.

Und das Material ist spröde und brüchig. Eine 11 cm starke nichttragende Trennwand kann mit einigen wenigen Schlägen eines Vorschlaghammers zum Einsturz gebracht werden – wobei eher die Steine selbst brechen, als die Verbindungsflächen – der ausgehärtete Kleber ist härter als das Gestein selbst!

Wir haben das gesamte Haus mit Gasbeton gebaut und freuen uns nun über die geringen Heizkosten – vor allem im Keller. Wie in einem nicht zu tiefen Bergwerk behält der Keller Sommer wie Winter eine gleichbleibende Temperatur von ca. 10 °C. Allerdings sollte man bei der Feuchteisolierung des Kellers auf keinen Fall sparen. Gasbeton saugt, nicht nur die Poren, sondern das Material selbst – somit haben auch die (eigentlich voneinander isolierten) Poren paradoxerweise eine Kapillarwirkung. Aus diesem Grund muß man unbedingt die Außenmauer ausreichend mit Bitumen isolieren – auch das Betonfundament – und für ausreichende Drainage sorgen, damit sich gar kein Wasser erst stauen kann. Hat man dies beachtet, ist der Keller praktisch staubtrocken, da der Stein (gera
de wenn er unverputzt oder nur mit Kalkputz verputzt ist) die Feuchtigkeit wegsaugt. Wer auf Isolierung und Drainage verzichtet, hat bald fließend Wasser – das von außen hereindrückt und den Keller in ein Feuchtbiotop verwandelt.

Das starke Saugen des Steins führt zu einem weiteren Problem: beim Verputzen. Man muß die Wand erst mit einem speziellen Grundiermittel (einer gelben Masse, die saurer Miloch ähnelt) grundieren, und auch danach ausreichend anfeuchten, da einem gerade Zementputz sonst „verdurstet“. Auch wenn man ausnahmsweise Mauermörtel verwendet, muß man dies beachten. Dazu kommt, daß man in Gasbeton praktisch keinen Nagel einschlagen muß – weil er ja doch nicht hält. Es gibt spezielle Nägel für YTONG-Steine mit einer keilartigen Spitze, die sich „festklemmen“. Wenn schon, sollte man Dübel und Schrauben verwenden, am besten in ein „vorgegipstes“ Loch.

Auf Dauer sollte man weder im Außen- noch Innenbereich Gasbeton unbehandelt lassen. Die Außenmauern zeigen unverputzt doch bald Reaktionen auf das Wetter, gerade auf Frost-Tau-Wechsel. Im Innenbereich setzen die vielen Oberflächenporen schnell mit Hausstaub zu, außerdem „mehlt“ das Material stark, gerade im Deckenbereich.

Apropos Decke: Generell gilt auch, daß ein Gasbeton-Haus LAUT ist. Für meine Begriffe. Ich empfinde unser Haus als großen Resonanzkörper – was durch die Tatsache, daß meine Eltern statt Teppichen Fliesen verlegten, nicht gerade gebessert wird. Daran schuld scheint mir weniger das Mauerwerk als vor allem die Gasbeton-Fertigteildecken zu sein, die alles andere als schalldämmend sind. Wer sie einbaut, sollte zumindest eine extra Schallschutzschicht unter dem Estrich und Teppichboden vorsehen.

Im Rückblick kann ich sagen – die ganze Maurerei ist nun bald 17 Jahre her – daß YTONG Gasbeton ein relativ leicht zu verarbeitendes Material ist, wenn man nur gewisse Grundkentnisse im Maurerh
andwerk hat. Es ist aber auch ein „zickiges“ Material, das vorsichtig behandelt sein will – mit ein Grund, warum es damals bei vielen Bauarbeitern nicht richtig beliebt war. Seine Stärke liegt in der Heizkostenrechnung, deren Ersparnis, über die letzten 14 Jahre hochgerechnet (seit 1987 wohnen wir da drin), enorm ist.

Leider kann ich auf Anhieb nichts über den Preis sagen (der heute ohnehin nicht mehr aktuell wäre). Damals war ich primär derjenige, der die Steine aufeinandersetzte – bezahlt hat sie Papa *g*...

Fazit: