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Neuester Testbericht: ... admitted to a class with at least a level lower than my knowledge. Another class I attended had already done more than half of the syllab... mehr

Sehr guter Ruf - und dahinter???
Berlitz

Nipper

Name des Mitglieds: Nipper

Produkt:

Berlitz

Datum: 02.08.01, geändert am 02.08.01 (5142 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Muttersprachler, kleine Gruppen, nette Lehrer

Nachteile: viel zu teuer, oft kein Konzept

Schon lange vor meinem Abitur war mir klar, dass ich nach der Schule eine Vollzeit-Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin bei der Berlitz-Schule machen möchte. Den gleichen Kurs hatte meine Schwägerin bereits einige Jahre zuvor gemacht und war davon begeistert.

So kam ich also im Oktober 1999 zur Berlitz-Schule in Köln. Mit insgesamt 7 Leuten saßen wir dort für unsere „Vollzeit-Ausbildung“ – was relativ ist, da wir täglich 4 Schulstunden à 45 Minuten plus zwei Schulstunden sogenannte Arbeitsgruppen hatten. Damit war die Zeit gemeint, in der der Lehrer uns Aufgagen gibt, die wir alleine, ohne seine Anwesenheit, zu erledigen hatten. Diese Arbeitsgruppen haben wir auf eigenen Wunsch schnell abgeschafft, da sie uns nichts brachten und wir dafür lieber mehr Hausaufgaben wollten. So hatten wir die restliche Zeit (also ca. die restlichen 22 Monate) täglich 4 Schulstunden Unterricht – was dann als „Vollzeit-Ausbildung“ bezeichnet wird. Nun gut...

Positiv muss ich erstmal herausheben, dass wir tatsächlich nur 7 Leute in der Klasse waren. Für mich persönlich war es ideal, da so jeder eine Chance hatte, dranzukommen, man konnte besser diskutieren und es war viel entspannter. Außerdem hatten so auch die Lehrer theoretisch die Möglichkeit, auf die Schwächen jedes einzelnen einzugehen. Ob dies auch immer gemacht wurde, steht auf einem anderen Blatt.

Unterrichtsfächer waren bei uns Englisch, Französisch als Hauptfächer, nebenbei noch jeweils 2 Stunden Spanisch und Deutsch/BWL pro Woche. Auch der Lehrplan hörte sich sehr gut und berufsvorbereitend an. So waren wir also alle mehr oder weniger gut motiviert und freuten uns auf das, was auf uns zukommen würde.

Mit den Lehrern als Personen haben wir meiner Meinung nach sehr gute Erfahrungen gemacht. Alle waren sehr nett, wir durften sie duzen, sie haben sich wirklich Mühe mit uns gegeben, so dass die Atmosphäre innerhalb der Klasse meistens ganz gut war. Ein P
unkt, über den man sich streiten könnte, wäre allerdings, dass in allen Prospekten mit „Fachkräften“ geworben wird, die Lehrer in Wirklichkeit aber oft nur Muttersprachler sind, die im besten Fall noch die Sprache studiert haben, aber eigentlich keine BWLer sind. Und bei uns ging es im Schwerpunkt um wirtschaftliche Bereiche und vor allem um Geschäftssprache. Aber auch dies war den Lehrern nicht wirklich anzumerken, da sie wirklich wussten, was sie unterrichten.

Negativ in Bezug auf Lehrer wäre zu erwähnen, dass wir in den gesamten zwei Jahren ca. 7 verschiedene Englischlehrer hatten, da die meisten dort angestellten Lehrer Freiberufler sind und somit gehen können, wann sie wollen. In den letzten 12 Monaten hatten wir dann zum Glück durchgängig eine Lehrerin, über die ich mich persönlich überhaupt nicht beschweren kann.

In Französisch hatten wir das Problem, dass wir mit 7 Leuten gleichzeitig 7 verschiedene Level hatten. Eine von uns hatte noch nie in ihrem Leben ein Wort Französisch gesprochen, eine andere hatte Französisch sogar schon an der Uni. So wurde es für unseren Lehrer nahezu unmöglich, einen für alle zufriedenstellenden Unterricht zu bieten – was zu sehr vielen Konflikten führte und manchmal unschön endete. Für etwa 2 Monate wurde der Unterricht in zwei Gruppen getrennt, was in dieser Zeit auch deutlich besser funktionierte, aber danach wurde er leider wieder zusammengelegt.

In Spanisch waren anfangs alle 7 Leute noch mit Begeisterung dabei, doch mit der Zeit sprangen einige ab, so dass wir am Ende nur noch zu dritt in Spanisch saßen – übrigens genau die drei, die schon Vorkenntnisse hatten.

In Deutsch/BWL hatten wir anfangs auch dauernd wechselnde Lehrer, die von ihrem Fach zum Teil überhaupt keine Ahnung hatten und einfach imkompetent waren, was dazu führte, dass wir erst nach einem Jahr eine konstante Lehrkraft bekommen haben, die übrigens auch nicht vom Fach war, sich jedoch viel Mühe gab, de
n Stoff, den wir eigentlich in zwei Jahren hätten durcharbeiten müssen, uns innerhalb weniger Monate beizubringen.

Nach und nach kam dann auch heraus, dass wir bei unseren Beratungsgesprächen ganz am Anfang, als wir uns für diesen Kurs entschieden haben, entweder völlig verschiedene Informationen bekommen haben, oder aber in einzelnen Fällen sogar schlicht und ergreifend falsche. Außerdem kam heraus, dass es einfach eine schlechte Beratung war, da zum Beispiel eine von uns mit ganz anderen Zielen zu dieser Schule gekommen ist und trotzdem in diesen Kurs gesetzt wurde.

Zusätzlich finde ich es ziemlich bezeichnend, dass alle am Ende ihre schul-internen Prüfungen ohne Probleme bestehen, aber die viel wichtigeren Abschlussprüfungen vor der Industrie- und Handelskammer entweder gar nicht erst machen, weil sie sich nicht genügend vorbereitet fühlen, oder aber – und damit meine ich auch die Stärksten der Gruppe – sie einfach nicht bestehen.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass unsere Klasse nicht gerade einfach war. Wir waren vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten, bei denen es untereinander schon viele Konflikte gab. Leider muss man aber auch sagen, dass viele dieser Konflikte durch das unzureichende Konzept der Berlitz-Schule hervorgerufen oder aber unterstützt wurden, so dass das Klima in der Klasse zum Ende hin immer schlechter wurde, was natürlich auch die Lehrer merkten. Konsequenz: Alle, die in irgendeiner Weise mit diesem Kurs zu tun hatten, wurden immer unmotivierter und hatten irgendwann schlicht und ergreifend keine Lust mehr. Das fängt bei der Sekretärin an, geht über die Direktorin, die Lehrer bis hin zu uns Schülern.

Noch heute stehen wir mit Berlitz in Verhandlung, weil viele Dinge, über die wir uns auch beschwert haben, noch nicht geregelt sind. Wir sind gespannt, was uns noch erwartet.

Abschließend kann ich sagen, dass ich während dieser zwei Jahre meine Sprachkenntnisse sicherlich deutlich v
erbessert habe. Allerdings ist durch vertraglich geregelte Leistungen, die einfach nicht stattfanden, durch häufigen Unterrichtsausfall, bei dem jede Menge Ärger entstand, durch häufigem Lehrerwechsel und damit nicht konstantem Unterricht, durch unzulängliche Beratung und nicht weitergegeben Informationen dieser Kurs sein Geld, dass wirklich immens viel war, einfach nicht wert war. Bezeichnend ist ja auch, dass wir deutschlandweit der letzte Fremdsprachenkorrespondentinnen-Kurs von Berlitz überhaupt waren und dieser auch nicht mehr angeboten wird.

Ich weiß, dass Berlitz einen sehr guten Ruf hat und ich bin mir auch sicher, dass viele dort sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Wenn man einen Sprachkurs in einer Sprache über ein paar Wochen bucht, dann ist dieser sicherlich ideal und man wird sehr viel lernen, da die Lehrer (nicht alle, aber die meisten) wirklich toll sind, aber einen Kurs über zwei Jahren kann ich einfach nicht empfehlen.

PS: Ich hätte zu diesem Thema noch viel mehr schreiben können, auch noch viel mehr in Detail gehen können, weil wirklich viel passiert ist. Aber es sollte nur ein Überblick über unsere Erfahrungen sein, sonst wäre er wirklich zu lang geworden...

Fazit: