Provadis GmbH, Frankfurt
Als Ausbildungsstätte ungeeignet - Provadis GmbH, Frankfurt Arbeitgeber

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Als Ausbildungsstätte ungeeignet
Provadis GmbH, Frankfurt

LordGriffin

Autor-Name: LordGriffin

Produkt:

Provadis GmbH, Frankfurt

Datum: 23.07.10

Bewertung:

Vorteile: -

Nachteile: Schlechte Planung, konfuse Seminaresetzung, geringschätzige Haltung ggü Azubis, schlechte Betreuung

Ich habe von 2000 bis 2003 dort meine Ausbildung zum Fachinformatiker:Systemintegration gemacht.
Zunächst muss gesagt werden, dass diese ganze Propaganda, die in Regionalblättchen in Höchst und Frankfurt stattfindet, wirklich zum Grossteil erfunden ist.

98% Übernahmequote? Blödsinn! In meinem Jahrgang, und in dem davor, mussten fast 50% der Leute, die erfolgreich die Ausbildung beendet hatten, sich ausserhalb vom Industriepark und ausserhalb der Firmen, für die Provadis ausbildet hat, bewerben, um nicht von der Ausbildung in die Arbeitslosigkeit zu fallen.
Da Provadis aber nicht nur ITler ausbildet, sage ich gleich im vorraus, dass meine Erfahrungen und Ansichten, sich nur auf den IT-Teil beziehen.

Die Ausbildung selber ist in Praxisphasen, "Provadis"-Phasen und Schulphasen aufgeteilt. Einige Wochen Praxis, einige Wochen Schulphase, zwischendurch mal hier und da ein Seminar oder Workshop bei Provadis.
Die Schulphase ist ok, was aber nicht an Provadis liegt, und die Lehrer an der Heinrich-Kleyer-Schule sind meist recht witzige Gesellen, mit denen man auch mal einen Spass machen kann.
Die Praxisphasen eröffnen die Möglichkeit, alle 6 Monate in eine andere Firma oder andere Abteilung zu wechseln. Dadurch kann man überprüfen, was einen speziell interessiert, was man machen möchte später, und was man auf keinen Fall vertiefen mag.
Leider gibt es an den Firmen selber oft niemanden, der einen Ausbilder-Schein hat, oder sonstwie in dieser Richtung geschult, geschweige denn, "abgestellt" wird.
Meist ist die Sache vor Ort sehr provisorisch, man hat oft keinen festen Platz, erfährt meist wenig über die Arbeit selber, und wird zu oft für Arbeiten "missbraucht", die kein anderer Mitarbeiter machen mag, und darüber hinaus keinerlei Lerneffekt mit sich bringen.

Eine qualifizierte Ausbildung sieht anders aus.
Das eigendlich schlimme ist aber, dass einige Betreuer bei Provadis mit Beschwerden, Kritik oder Anregungen überhaupt nicht umgehen können. Die meisten sehen in den Azubis, auch wenn schon ältere Leute bei den Azubis sind, die vielleicht sogar ein Studium hinter sich haben, ungeformte Persönlichkeiten, die gefälligst keinen eigenen Kopf haben sollen, gehorchen müssen, und sonst dankbar sein sollten, überhaupt dabei sein zu dürfen.

Als älterer Azubi sollte man hier also eine hohe Toleranz diesbezüglich mitbingen, sonst endet man immer wieder in "persönlichen" Gesprächen und andere Repessalien, wenn man eben nicht so spurt, wie gewünscht.
Die Workshops in die Provadis einen schickt, sind auch oft eine Katastrophe gewesen. Schlecht vorbereitet, mit völlig "outdated" Inhalten wie HTML-Seiten mit Frontpage zusammenklicken, und so tollen Sachen wie Datenbanken für Dummies, was der entsprechende Lehrer in der Schule viel besser drauf hat.

Wer, um himmels Willen, will denn einen 10-Finger-Tipp-Kurs machen? Wollen wir zu Tippsen+ ausgebildet werden oder zu Fachinformatikern, die Netze kreieren und überwachen, Software entwickeln und 1st-Level-Support leisten?
Ein Paradebeispiel für die Konfusion und das Chaos, lässt sich am besten an folgendem Beispiel zeigen:

Das Programm sieht einen Powerpoint-Workshop und ein Seminar vor, in dem die Fähigkeit etwas zu präsentieren geübt werden soll (Braucht man für die Abschlusspräsentation der Ausbildung bei der IHK).
Nun sah der Plan vor, den Powerpoint-WS NACH dem Präsentations-Seminar zu veranstalten. Eine Mit-Azubine schickte daraufhin per Email einen Vorschlag zu unserem Betreuer, in der sie freundlich und höflich vorschlug, den Powerpoint-WS, doch VOR der Präsi-Übung zu veranstalten, damit wir dieses Tool sinnvoll für die Präsentation einsetzen können.

Die Antwort des Betreuers ist kaum abdruckbar. Lets just say, he was pissed! Er schrieb eine bitterböse EMail zurück, was sie sich denn anmaßen würde, hier irgendwelche sinnlosen(!) Änderungswünsche vorzutragen, und in welchem Ton!
Die Mail von der Azubine ging an alle, daher weiss ich, dass diese Email höflich und völlig vernünftig war.

Dies ist nur eine der Vorkommnisse aus meinen Tagen bei Provadis.
Provadis selber hat ebenfalls eine IT-Abteilung und dort ist das Chaos wirklich vollkommen. Einmal hatten wir 12 Azubis, die der Abteilung für einige Wochen zugeteilt waren. Diese Abteilung hatte damals 4 feste Mitarbeiter, und nichtmal genug Platz für 3 Azubis!

Auch dort wird man nur für Laufburschen-Arbeit eingeteilt, lernt so gut wie nichts, und wird extrem fix zu "persönlichen" Gesprächen eingeladen, wenn man auch nur gering vom Bild des "unterwürfigen Azubi" abweicht. Die Sklavenhalter-Mentalität der damaligen IT-Chefin dort, war extrem.
Es gab Praxisphasen, wo ich wochenlang nichts anderes getan habe, als im Inet zu surfen weil es nichts zu tun gab, was man uns "zugetraut" hat. Anfragen an den eigenen Betreuer bei Provadis bezüglich Wechsel wurde garnicht, oder nur sehr ungern nachgekommen.

Das beste an Provadis ist aber die Gehirnwäsche. Was da teilweise an Propaganda verteilt wird, wie toll doch Provadis ist, wie hoch die Übernahmechancen, und wie nachhaltig die Ausbildung, hat mich schon damals beständig zum schmunzeln angeregt.
Was die Bezahlung angeht, lagen wir damals in einem eher unterdurchschnittlichen Bereich. Die reinen Provadis- bzw. Infraserv-Azubis lagen im Schnitt unter den Vergütungen, die Mitazubis bekamen, die für andere Firmen von Provadis ausgebildet wurden. Es gab sogar einige die haben DOPPELT soviel bekommen wie die Industrie-Park Azubis.

Die einzigen 2 "Sozialleistungen" die es gab, waren die Möglichkeit, vermögenswirksame Leistungen zu 50% bezahlt zu bekommen, und ein kleiner Rabatt in den Kantinen des Industrieparks (Tipp:Die Südkantine ist die beste Kantine).
Wie sehr man bei Provadis die Azubis schätzt, lässt sich auch sehr leicht an der "Azubifahrt" ableiten. Es gab bei uns eine "Klassenfahrt" mit Provadis nach Ostdeutschland.

Wenn man bedenkt, was Provadis den Firmen, für die sie ausbilden an Gebühren abnimmt, war diese Fahrt echt eine Beleidigung.
Unterkunft und Aktivitäten, dass billigste vom Billigen. Ich vermute, die Fahrt hat mit den fast 50 Azubis kaum mehr als 5000 oder 6000Euro für eine Woche gekostet. Ich glaube, dass ist ein Billigheimer-Rekord.

Aber zurück zur Ausbildung.
Im nachhinein muss ich sagen, dass der einzige Ort, wo ich wirklich noch was dazulernen konnte, die Berufsschule war. Dort war ich mit nur einem anderen Azubi der einzige, der im fachlichen Bereich eine "Gesamt-Eins" hatte. Interessiert hat das die Leute von Provadis eher wenig. Auch war die "Abschlussempfehlung" von Provadis für alle Azubis gleich. Persönliche Stärken/Schwächen wurden also weder berücksichtigt, noch erwähnt. 50 Kopien des gleichen Schriebs für alle. Das nenne ich tolle individuelle Betreuung!

Die Seminare und Workshops waren bis auf sehr wenige Ausnahmen komplett für die Füsse, und die Praxisphasen so unkoordiniert, aufgrund mangelnder Konzepte und Ausbilder, dass dort ausser "mal mitkommen, einen Switch austauschen" nie viel passiert ist.
Zu dieser Zeit war auch der Umstieg von W2k auf XP in vollem Gange, so dass fast alle Provadis- und Infraserv-Azubis zum PC-tauschen vedonnert waren, und das über Monate hinweg. So kann man natürlich auch viel Geld für eine Migration sparen, aber eine Ausbildung ist das nicht.

Alles in allem war in unserer Gruppe die Ausbildung geprägt von konfusen und wenig lehrreichen Praxisphasen, chaotischen Seminaren mit völlig veralteten Inhalten, und angenehmen und lehrreichen Schulphasen.
Die Betreueung bei Provadis ist eine Farce, die Ansicht dort , dass Azubis nur dumme, formbare Nichtsblicker sind, die man zu den niedrigsten Arbeiten einteilen muss, da sie mit anderen Projekten nicht betraut werden KÖNNEN(Originalaussage der damaligen IT-Chefin bei Provadis!), geht über alles hinaus, was ich je von anderen Azubis, ausserhalb Provadis, gehört habe.

Zu der "Provadis School of International Management and Technology" noch ein kleiner Hinweis:
Wenn es euch wirklich interessiert noch ein Studium nachzulegen, geht z.B. an die Fernuni Hagen! Dort habt ihr einen Abschluss der überall hoch angesehen ist, UND die Kosten sind verkraftbar.
Über die Qualität der Provadis School of International Management and Technology, kann ich wenig sagen. Ich weiss aber, dass die Kosten EXORBITANT sind. In der ersten Klasse gab es nur 30 Interessenten, weil die Investition von damals über 10000Euro für das Studium alles überstieg, was eine Firma zu diesem Zeitpunkt bereit war, in einen Mitarbeiter zu investieren.

Alles in allem muss ich Provadis selber ein schlechtes Zeugniss ausstellen. Ich war froh, als alles vorbei war, ich die verkürzte Ausbildung fertig hatte, und ich endlich dem Provadis-Chaos entfliehen konnte.
Achja..noch ein Hinweis an alle, die Überlegen dort ihre Ausbildung zu machen:

Wenn ihr fertig seid, schaut, ob ihr nicht ausserhalb des Parks was bekommt! Der Park zahlt zum grossen Teil nur Chemie-Tarif.
Dieser ist für ITler nicht besonders "profitabel". Man wird meist mit E9 eingestufft, was bei mir weniger als 1300Euro netto waren(Und ihr seid dadurch "Arbeiter"! Habt ihr euch sicher schon immer gewünscht oder?).
In den heutigen Zeiten, kann man von diesem Hungerlohn nur schwer existieren, wenn man bedenkt, dass eine kleine Wohnung im Frankfurter- oder Main-Taunus-Kreis warm bereits 500-600Euro kostet. Ganz zu schweigen von eventuellen Kinderplänen.
Ich war froh, als es vorbei war. Wenn ihr könnt, lasst euch lieber dort ausbilden, wo man von Provadis und dem Konzept, die Ausbildung "outzusourcen" noch nichts gehört hat, und wo man die Azubis nicht wie das niederste Gewürm behandelt.

Fazit: Am Besten einen GROSSEN Bogen drum machen!

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