
Neuester Testbericht: ... dem Fernseher sitzen und über das Gesehene mit ihnen sprechen. Das gleiche gilt für den Computer. Als Babysitter taugt das eine Medium so... mehr
Computer und Kinder.
Works für Kids

Name des Mitglieds: Meika
Produkt:
Works für Kids
Datum: 31.12.01, geändert am 31.12.01 (234 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Lernen, Interaktion, Koordination
Nachteile: nur wenn man übertreibt
Computer sind nicht immer schlecht für die Kid's.
Kinder am Computer beschädigen ihre Wahrnehmung, ihr Gefühlsleben, ihre sozialen Kontakte, verkümmern körperlich - so die Befürchtung mancher Eltern. Andere verweisen auf Untersuchungen, daß gerade Computerkinder keine Stubenhocker sind, gerne Sport treiben und gesellig leben.
Jedes Medium fordert seine Opfer, zeigt ein gewisses Suchtpotential. Schon vor dem Computer gab es Kinder, die sich hinter einer Mauer von Büchern zurückzogen. Doch niemand fordert, Kindern keine Bücher mehr zu geben.
Die gleiche Gefahr droht bei Radio, Fernsehen, Spielkonsole, Computer. Doch Eltern verwechseln Medien mit Arzneimitteln, wenn sie in einer Tabelle etwa nachlesen wollen, daß Siebenjährige vierzig Minuten TV und fünfundzwanzig Minuten PC am Tag konsumieren dürfen, um sich ohne Beschädigung weiterzuentwickeln. Aber worauf kommt es an, wenn nicht das Medium selbst das Problem darstellt?
Natürlich sind es die Inhalte der Medien und ihre Darbietung, die über die Folgen entscheiden. Ob ich einem Kind eine pfiffige Maus oder eine martialische Kampfschildkröte zur Identifikation anbiete, kann ein unterschiedliches Verhalten nach sich ziehen. Ebenso kommt es auf die Begleitung der Kinder an. Pädagogen fordern seit jeher, daß Eltern gerade bei kleinen Kindern mit vor dem Fernseher sitzen und über das Gesehene mit ihnen sprechen. Das gleiche gilt für den Computer. Als Babysitter taugt das eine Medium so wenig wie das andere.
Kontrollverlust
Gleich einzuschätzen sind die Medien dennoch nicht. Zunächst gibt es einen Unterschied, wie Eltern die Inhalte beeinflussen können. Buch, Software und Konsolenspiel werden einzeln gekauft oder geliehen und erlauben daher ein gewisses Maß an elterlicher Kontrolle. Bei Radio und Fernsehen ist dies schwieriger. Wer sie gar ins Kinderzimmer stellt, übergibt die Verantwortung für die Inhalte an Dritte.
Aber nicht nur Eltern sollten Kontrol
le ausüben. Kinder lernen, wenn sie Einfluß auf das haben, was sie erleben, wenn sie die Konsequenzen ihrer Handlungen registrieren und bewerten. Diese Erfahrungen machen Kinder natürlich am besten im Kontakt zu anderen, beim Spiel in der Gruppe etwa. Medien können Situationen bieten, die nicht alltäglich sind, und bieten Raum für Experimente. Sie ermöglichen Entscheidungen, die sich zurücknehmen lassen und bei denen ein Fehlschlag nicht gleich unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht.
Stupide Motorik
Die klassischen Medien sehen ganz schön alt aus, was die Einflußmöglichkeiten des Konsumenten angeht. Nur Spielkonsole und Computer bieten Interaktivität. Die Konsole nutzt sie zur Ausbildung von Reaktionsfähigkeit und Feinmotorik in einer Weise, die nichts mit den Lebensumständen des Kindes zu tun hat. Der Computer ist nicht auf solche sinnlosen Fertigkeiten abonniert. Er nutzt die Interaktivität zur Förderung eines großen Spektrums intellektueller Fähigkeiten, wenn er richtig gefüttert ist. Empfehlungen für die Futterwahl versuchen wir in diesem Schwerpunkt zu geben. Auch der jährlich erscheinende 'Kinder-Software-Ratgeber' [1] kann helfen.
Interaktivität ist aber nicht nur unter dem Gesichtspunkt wichtig, daß Entscheidungen möglich und nötig sind. Sie ist auch die Voraussetzung dafür, daß das Medium sich auf das Tempo des Kindes einstellen kann. Die nicht interaktiven Medien Radio und Fernsehen können ja nicht nur durch ihre Inhalte Schaden anrichten, sondern auch durch die schiere Masse an Reizen, die sie in kurzer Zeit über die Konsumenten spülen. Grundschullehrerinnen können oft schon an der Konzentrationsfähigkeit der Kinder erkennen, welche von ihnen vor dem Unterricht die einschlägigen Morgenprogramme der Privatsender konsumiert haben.
Neben dem Buch erlauben es vor allem auch die neuen interaktiven Medien, daß Kinder in ihrer eigenen Geschwindigkeit hören, sehen und handeln. Der Gameboy setzt den Spieler jedoch
meist unter Zeitdruck. Edutainment-Programme am Computer sind anders: Da können Kinder auch mal zwischendurch träumen, daß sie mit der Kichererbsenbande auf Weltreise gehen oder als Prinz ihren ersten Schultag erleben, ohne daß der Ballerknopf permanente Aufmerksamkeit erfordert.
Schulen im Schneckentempo
Über das Potential des Lernens mit Multimedia hat c't schon viele Worte verloren [2]. Da einiges für den kontrollierten Einsatz des Computers zumindest im Schulalter spricht, liegt natürlich die Erwartung nahe, daß sich unsere Schulen darum kümmern, den Zugang zu interaktiven Medien zu vermitteln. Eltern tun allerdings gut daran, nicht darauf zu vertrauen. Trotz aller Programme zur Aufrüstung und Vernetzung der Schulen sieht es meist immer noch trübe aus, was die Ausstattung an Hard- und Software betrifft. Wenn ein typischer Chemielehrer einer Gesamtschule im Jahr sechshundert Mark für Sachmittel ausgeben darf, wird er es vielleicht gerade einmal schaffen, die beschädigten Geräte zu ersetzen und Chemikalien nachzufüllen. Für aktuelle Software zu seinem Gebiet bleibt da kein Geld übrig.
Eltern sollten also selbst aktiv werden, auch wenn es etwas kostet. Die Entwicklung im Multimediabereich rast dahin, und Schulen werden immer hinterherhinken. Wenn im Haushalt schon ein PC steht, können ein paar Silberscheiben aus ihm ein spannendes und lehrreiches Werkzeug für die Kinder machen, das diese spielerisch in ihren Alltag aufnehmen. Wer an interaktives Edutainment gewöhnt ist, findet nachher vielleicht sogar Gameboy und Power Rangers nur noch langweilig.
Fazit:

