

Neuester Testbericht: ... muss man eigentlich wenig wissen. Entweder von der CD aus einfach Installieren oer aber wie schon erwähnt vom Internet herunterladen und... mehr
Das Imperium schlägt zurück?
Mozilla

Name des Mitglieds: HerrWaschbär
Produkt:
Mozilla
Datum: 24.09.01, geändert am 24.09.01 (290 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: geniales Look & Feel, läuft sehr stabil, aktive Teilnahme an Weiterentwicklung möglich
Nachteile: noch keine endgültige Version, darsellungsprobs bei einzelnen Seiten, probs bei älteren SSL-Seiten, die kein TLS unterstützen
Hallo zusammen!
Durch Zufall bin ich vor drei Wochen auf die neueste Version von Mozilla gestoßen - und da ich von Natur aus neugierig bin, hab ich mich gleich mal an's Runterladen und Installieren gemacht...
Meine ersten Eindrücke von diesem Browser und einige Hintergrundinfos hab ich nachfolgend zusammengestellt - viel Spaß beim Lesen! :o))
>>>>> Historisches zu Mozilla & mozilla.org <<<<<
Da ich anfänglich ziemliche Probleme hatte, die Vorgänge zwischen Netscape, Mozilla und mozilla.org nachzuvollziehen, habe ich mich entschlossen, einleitend ein paar Sätze zur Historie von Mozilla loszuwerden. Als ich mir Mozilla vor knapp drei Wochen 'runtergeladen habe, war ich nämlich immer noch der Meinung, daß Mozilla ein Projekt von Netscape ist - daß das allerdings nicht (mehr) zutrifft habe ich erst später erfahren... Doch fangen wir am besten vorne an... ;o))
Angefangen hat alles eigentlich bereits im Jahre 1994, als Dr. James H. Clark und Marc Andreesen die Firma "Netscape Communications Corporation" gründeten. Diese Firma hatte - neben diversen anderen Produkten - auch einen Browser in ihrer Produktpalette, nämlich den "Netscape Navigator". Dieser wurde am 13. Oktober 1994 zum ersten Mal der Öffentlichkeit als Beta-Version zum Download angeboten und noch im Dezember des selben Jahres dann in der Version 1.0 offiziell freigegeben.
Und was hat das alles mit Mozilla zu tun? Naja - Mozilla war seinerzeit der Codename für dieses Projekt und wurde noch bis zur Version 4.7 bei Netscape intern benutzt. Gerüchten zufolge soll der Name eine Mischung aus "Godzilla" und "Mosaic" sein (Mosaic war der erste graphische Web-Browser und war zu dieser Zeit sehr weit verbreitet), denn Mozilla sollte als "Mosaic Killer" an den Start gehen und die neue #1 unter den Browsern werden.
Anfänglich lief auch alles bestens: aufgrund der intuitiven Bedienung, des Fun
ktionsumfangs und der Schnelligkeit verbreitete sich der Netscape Navigator in den Folgejahren recht schnell in der Internetgemeinde und bald wurde aus dem ursprünglichen simplen Browser eine vollwertige Kommunikationszentrale in Sachen Internet, bestehend aus Browser, Mail- und Newsclient, HTML-Editor und einer Schnittstelle für Erweiterungen. Dieser Umstand schlug sich dann auch im "offiziellen" Namen nieder und aus dem Netscape Navigator wurde der Netscape Communicator, aber der interne Codename "Mozilla" wurde immer beibehalten.
Zwischenzeitlich hatte Netscape einen Marktanteil weit jenseits der 75% und alles sah nach einem klaren Sieg für Netscape aus - bis Microsoft aus seinem Dornröschen-Schlaf erwachte und mit dem Internet-Explorer zum Kampf blies. Der Marktanteil von Netscape schrumpfte zusehends und rund 4 Jahre nach erfolgreicher Einführung des Navigators sah sich Netscape gezwungen zu handeln: im Januar 1998 verkündete man, daß die Sourcen für den Netscape Communicator im Rahmen eines "Open Source Projektes" im Internet für jeden zugänglich gemacht werden sollen, um so schneller und einfacher neue Innovationen für zukünftige Versionen des Netscape Communicators am Markt anbieten zu können (so zumindest die offizielle Erklärung ;o) ).
Gleichzeitig wurde auch die Schaffung einer Web-Site in Aussicht gestellt, auf der Netscape die Möglichkeit zum Download der Sourcen, "einchecken" der Sourcen (also nachdem man an den Sourcen was geändert hat), sowie zum Informationsaustausch für jedermann bieten wolle. Diese Pläne wurden in einer Presserklärung vom 23.2.1998 dann konkretisiert: Netscape
Communications stellte die Web-Site
www.mozilla.org
als neuer Dreh- und Angelpunkt für die Weiterentwicklung des Netscape Communicators zur Verfügung, sowie ein Team von Netscape Mitarbeitern, die quasi als "Kontrollinstanz" die Oberhand über alle Entwicklungs-Aktionen behalten sollten.
In der Zeit von März bis Oktober 1998 wurde dann eifrig an den Sourcen gearbeitet und Netscape Communicator 5.0 basierte u.a. auf dem Code, der aus dem Gemisch "alten Netscape Code" und den Änderungen durch das Open Source Projekt stammte. Netscape selbst machte zwar noch einen Feinschliff, bevor sie den Browser dann als Netscape Communicator 5 veröffentlichten, aber das Grundgerüst wurde von mozilla.org übernommen.
Die Probleme ließen denn auch nicht lange auf sich warten: der Browser lief recht instabil und bei der Weiterentwicklung gab es erhebliche Probleme, die alle in erster Linie darauf zurückzuführen waren, daß man die neuen Ideen, die man bei mozilla.org hatte, nur sehr schwer in die alte Architektur, wie sie von Netscape übernommen wurde, einarbeiten konnte und so entschied man sich bei mozilla.org (sicher mit einigem Widerstand von Seiten von Netscape) den größten Teil des Browsers komplett von Null beginnend neu zu schreiben. Die erste Netscape Communicator Version, die auf diesem neuen Source-Code basierte, war 6.0 - aber auch damit schaffte sich Netscape keine Freunde - im Gegenteil: entweder schwenkten auch die letzten verbliebenen "Hardcore-User" auf Microsoft um - oder sie blieben bei der alten 4.x Version.
Trotzdem konnte die 6.0 Version als Erfolg angesehen werden, denn wenn sich auch an der Oberfläche nicht viel getan hat so steckte doch eine komplette Neuentwicklung hinter der Fassade auf der man aufbauen und neue Ideen verwirklichen konnte. Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zu verdanken, daß aus mozilla.org zwischenzeitlich eine eigenständige Organisation geworden ist, die nicht mehr viel mit der Firma Netscape Communications zu tun hat - außer, daß der Ursprung des Mozilla-Sourcecodes und der größte Teil der "ursprünglichen Mitarbeiter" von Netscape Communications stammte und daß Netscape's Communicator auf Mozilla basiert.
>>>>> Umfang von Mozilla & Systemanforderungen
<<<<<
Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt, bekommt man heute eigentlich bei allen Browser-Anbietern nicht nur einen einfachen Web-Browser... Ähnlich wie in Tele-Shops könnte man auch hier sagen:
"Laden sie noch heute Mozilla und sie bekommen gratis dazu:
- Mozilla Mail (ein recht brauchbarer Mail-Client)
- Composer (Tool zum erstellen eigener Web-Seiten)
- Adress Book (wie der Name schon sagt - aber mit interessanten Features - s.u.)
- Chatzilla (ein Chat-Client)
- Personal Security Manager (verwaltet u.a. Passwörter für Web-Sites und erlaubt Einstellungen für SSL -> sollte auf jeden Fall installiert werden, wenn man mit SSL-Servern arbeitet, z.B. bei Online Banking oder Online Shopping! Siehe dazu Abschnitt "Alltagstest: Browser / Darstellung von SSL-Seiten" )"
Also vom Umfang her läßt Mozilla schonmal kaum Wünsche offen... :o)) Da ich aber eh schon befürchte, daß dieser Text hier etwas länglich wird, werde ich hauptsächlich über den Browser berichten und in einem separaten Abschnitt noch einige Features erwähnen, die auch den Mail-Client sowie das Adressbuch betreffen - ich denke das ist auch in Eurem Interesse... ;o))
Als Systemanforderungen gibt mozilla.org für Windows-PCs folgende Daten an:
Betriebssystem: alle 32 bit Windows Versionen
Prozessor: min. 233 MHz Pentium
Speicher: min. 64 MB
Festplatte: min. 26 MB frei
>>>>> Der Download <<<<<
Interessiert man sich nun für Mozilla sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, daß Mozilla in der aktuellen Version 0.9.4 noch eine Software-Paket ist, das nicht fertig ist... Ok - jetzt kann man natürlich fragen, welche Software heutzutage überhaupt "fertig" ist, wenn sie auf den Markt und somit auf den Verbraucher losgelassen wird, aber solange noch eine "0" vor'm Komma steht ist es eben offensichtlich, daß noch an allen möglichen Ecken und
Enden "gebastelt" wird...
Wer sich diesem "Risiko" bewußt ist, kann sich also auf der Seite
http://www.mozilla.org/releases/
die letzte offiziell freigegebene Version von Mozilla herunterladen (bei mir war es die Version 0.9.3 - zwischenzeitlich ist Version 0.9.4 'rausgekommen). Zur Zeit werden folgende Betriebssysteme unterstützt:
Win32
MacOS 8.6 - 9.0
Linux
AIX
BeOS
OpenVMS
OS/2
HPUX
FreeBSD
BSD/OS (bsdi)
Solaris
Tru64 Unix
Für jedes Betriebssystem stehen nochmal mehrere verschiedene Varianten von Mozilla zur Verfügung - teilweise mit unterschiedlichen Kompressionstools, gepackt oder auch mit der Möglichkeit, Mozilla direkt aus dem Internet zu installieren. Anbei die 3 Varianten, zwischen denen man für Win32 Systeme wählen kann ("Talkback enabled" bedeutet, daß bei einem Crash Daten über die Ursachen des Absturzes gesammelt werden, die man dann entweder an Netscape zurückschicken oder aber verwerfen kann. Wer dies nicht möchte, kann "Talkback" auch in den Preferences ganz abschlaten):
Talkback enabled full installer: 9.1 MB
Talkback enabled Net installer: 214 KB
Talkback enabled Zip-File: 10.0 MB
Trotz des Umfangs scheint Mozilla doch recht sparsam zu sein, was den Speicherbedarf angeht - vergleichbare Browser mit ähnlichem Umfang sind da doch um einiges "unhandlicher"... ;o))
>>>>> Die Installation <<<<<
Nach dem erfolgten Download machte ich mich dann gleich an die Installation, indem ich die heruntergeladenen Datei
mozilla-win32-0.9.4-installer.exe
startete. Die Installationsroutine checkt zuerst das Archiv und entpackt dann ein paar temporäre Dateien, was auf meinem AMD K6-2 500 einen Moment dauerte.
Anschließend kommen dann die üblichen Fragen nach der Art der Installation:
- "Browser only": installiert nur die
notwendigen Komponenten um den Browser betreiben zu können
- "Complete": installiert den Browser, Mail + News Client, Personal Security Manager, Chatzilla, sowie den Quality Feedback Agent
- "Custom": Browser und Quality feedback Agent sind fest vorgegeben - man kann noch wählen, ob Mail + News Client, Personal Security Manager oder Chatzilla zusätzlich installiert werden sollen
und nachdem ich dann noch ein Zielverzeichnis angegeben hatte, konnte die eigentliche Installation losgehen. Diese ging dann recht flott über die Bühne und klappte problemlos.
Als ich mich dann schon freute, endlich dieses "Meisterwerk der Browser-Entwicklungskunst" bestaunen zu dürfen, fühlte ich mich jäh an alte Zeiten erinnert: Mozilla war mit seiner Schnüffelnase fündig geworden und hat seinen Widersacher "Internet Explorer" auf meiner Festplatte ausfindig gemacht... ;o)) Die Reaktion folgte sogleich in Form meiner "heißgeliebten"
"darf ich Dein default-browser sein?"
Abfrage... ;o)) Aber wie zwischenzeitlich üblich kann man diese Abfrage auch komplett deaktivieren.
Zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß der Installer von Mozilla sowohl bereits existierende Netscape Communicator Profiles als auch die Favoriten eines evtl. vorhandenen Microsoft Internet Explorers zu übernehmen versucht, so daß es absolut kein Problem ist, mehrere verschiedene Browser nebeneinander zu betreiben...
>>>>> Der erste Eindruck: Browser <<<<<
- Ladezeit
Der Start von Mozilla geht meiner Meinung nach auf meinem Firmenrechner (P-III 500MHz) einen Tick schneller über die Bühne als beim Netscape Communicator 4.5 - insbesondere dann, wenn man die "Quick-Launch" Option (die seit Version 0.9.4 standardmäßig eingeschaltet ist) nutzt. Diese bewirkt, daß beim Beenden von Mozilla ein großteil des Browsers im Speicher verbleibt und man selbigen durch ein kleines
Icon in der System Tray neben der Uhr wieder starten kann.
Wie gesagt: das bringt nochmal etwas an Geschwindigkeit und wer genug Speicher sein Eigen nennt kann dieser Option sicher etwas abgewinnen...
Auf meinem Laptop hingegen (P-233 mit 32 MB) läd sich der Computer bald tot! Auf diesem Laptop habe ich allerdings auch nur den Internet Explorer als Referenz und der braucht auch schon ziemlich lange, von daher kann ich diesen Punkt nicht wirklich ankreiden...
- Die Oberfläche
Jeder, der Mozilla das erste Mal startet und vorher mit irgendeiner früheren Version des Netscape Browsers gearbeitet hat, wird vermutlich enttäuscht sein, denn vieles hat sich am "Look and Feel" nicht geändert und erinnert eher an bidere Communicator-Zeiten als an einen komplett von Grund auf neuen Browser. Das liegt daran, daß man bei Mozilla sogenannte "Themes" benutzen kann, die vergleichbar mit den Skins von Winamp sind (hoffentlich erschlägt mich jetzt keiner, denn bei den Mozilla Themes steckt doch noch etwas mehr dahinter ;o) ) und dem Browser ein komplett neues Aussehen verpassen.
Standardmäßig werden nun zwei Themes mitgeliefert ( "Classic" und "Modern") und per default wird bei der ersten Installation das Classic-Theme benutzt, das sich wie ein betagter Netscape-Communicator verhält.
Wer allerdings auf etwas Abwechslung steht, sollte auf jeden Fall mal das "Modern"-Theme probieren - ich bin total begeistert davon und hab es seitdem auch nicht mehr gewechselt, obwohl dies schnell und problemlos funktioniert... ;o)
Zusätzlich zu den beiden mitgelieferten Themes gibt es im Internet jede Menge Seiten, von denen man sich neue Themes kostenlos 'runterladen kann - doch vorsicht! Da Mozilla noch im Wandel ist, laufen einige Themen nur mit bestimmten Browser-Versionen, bzw. sind nur mit bestimmten Versionen getestet!
Alles in allem bin ich begeistert von der Möglichkeit, das Aussehen des Browsers
nach eigenem Geschmack ohne große Probleme zu verändern. Ok, jetzt kann man argumentieren "Wie oft machst Du das denn?", aber ich denke, wenn man jeden Tag den größten Teil seiner Zeit mit einer Software arbeitet, will man ab und an auch Veränderungen und nicht immer das gleiche Bild - und genau das kann man mit dieser Idee schnell und einfach haben... :o))
- Sidebar
Auffälligste Änderung bei Mozilla gegenüber Comunicator 4.5 ist die Sidebar am linken Rand des Browser-Fensters. Diese Sidebar ist vermutlich eine Kombination aus Microsoft's Explorer-Bar und den Channels, die Microsoft beim Internet Explorer irgendwann mal eingeführt hat (leider kann ich bzgl. des Vergleichs nicht so viel sagen, weil ich die Channels und auch die Explorer-Bar nie so ausgiebig benutzt habe). Hier kann man sicher wieder Glaubenskriege austragen welches Konzept nun besser ist - nun, ich denke mir daß wie so oft im Leben die "Macht der Gewohnheit" eine große Rolle spielen wird:
wer noch nicht so intensiv mit der Explorer-Bar gearbeitet hat wie ich, wird sich schnell an die Sidebar gewöhnen können - wer hingegen jeden Tag regelmäßig mit dem Microsoft-Konzept gearbeitet hat, dem wird der Mozilla-Ansatz mit der Kombination aus Explorer-Bar und Channels anfänglich vielleicht kompliziert erscheinen...
Aber was versteckt sich eigentlich hinter dieser ominösen Sidebar?
Die Sidebar ist ein der Größe nach frei definierbarer Bereich am linken Rand des Browserfensters. In diesem Bereich werden mehrere Tabs angezeigt, die bestimmte Informationen enthalten können und zwar sowohl "statische Informationen" wie z.B. Bookmarks, aber auch dynamische Informationen, deren Inhalt fortlaufend aus dem Internet upgedated wird. Standardmäßig gibt es folgendes Tabs in der Sidebar:
"What's related": dort werden Links zu Seiten angzeigt, die einen Zusammenhang zum Inhalt der aktuell angezeigten Web-Seite haben
"Hist
ory": enthalt Name und Link zu allen Web-Seiten, die in den letzten Tagen besucht wurden (vergleichbar mit der "Verlauf"-Funktionalität beim Internet-Explorer)
"Search": auf Knopfdruck kann man Suchanfragen an mehere Suchmaschinen abschicken, ohne daß man die gerade besuchte Seite verlassen oder ein neues Fenster öffnen muß...
"Bookmarks": enthält alle Bookmarks, die man bisher angelegt hat
Zusätzliche Tabs für z.B. Börsenkurse, Nachrichten oder Vekehrs-Infos kann man sich aus dem Internet laden. Ich arbeite mittlerweile sehr oft mit dem Tab für die Suche und der History und auch einen neuen Tab für Börsenkurse hab ich eingefügt und da man entweder die ganze Sidebar oder auch nur einzelne Tabs zeitweilig ausblenden kann (ohne diese zu löschen), wird die Sidebar auch nicht unübersichtlich...
>>>>> Alltagstest: Browser <<<<<
- Stabilität:
Ich habe den Browser jetzt seit knapp 3 Wochen im Einsatz und zwischenzeitlich auch mehrmals auf anderen Rechnern installiert. Dafür daß bei der Versionsnummer noch eine "0" vor'm Komma steht läuft der Browser außerordentlich stabil: in den 3 Wochen mußte ich lediglich bei Benutzung der Quick-Launch Funktion mehrere reproduzierbare Abstürze beklagen, die aber (nachdem ich den Fehler gemeldet hatte) bereits am darauffolgenden Tag behoben wurden.
- Darstellung von unverschlüsselten Internetseiten:
Bei der Darstellung von Internetseiten sieht es schon nicht mehr ganz so rosig aus - zumindest auf den ersten Blick. Denn während die von mir hauptsächlich besuchten "kommerziellen" Seiten (T-Online, Web.de, Comdirect und Firmen-Intranet) eigentlich alle korrekt angezeigt werden, gibt es bei privaten Homepages schon das eine oder andere Problem mit der Darstellung. Diese Probleme äußern sich zum Beispiel durch falsch positionierte Texte und andere Elemente oder Überlappungen. Teilweise werden diese
Probleme durch Fehler im HTML-Code verursacht, teilweise sind es aber auch Bugs, die noch in Mozilla schlummern. Um das zu entscheiden, sollte man den Fehler auf jeden Fall bei Mozilla.org melden (mit Angabe der Internetseite, auf der dieser Fehler auftritt), damit man sich dort um die Sache kümmert.
- Darstellung von SSL-Seiten:
Das SSL-Protokoll (Secure Socket layer) wird benutzt, um Internet-Seiten zu verschlüsseln und so z.B. das Mitlesen der Inhalte durch Dritte zu unterbinden. Allerdings gibt es bei der neuesten Version von SSL 3.1 (dem sogenannten TLS 1.0 - Transport Layer Security) ein Problem: manche Server können mit Browsern, die TLS 1.0 bereits unterstützen, keine Verbidnung aufbauen. Leider sind das momentan noch ziemlich viele Server (u.a. ein Großteil der IBM und Microsoft Web Server).
"Leider" deshalb, weil Mozilla bereits TLS unterstützt und dieses per default eingeschaltet ist!
Wer also Probleme mit SSL-Seiten hat sollte auf jeden fall bei der Installation den "Personal Security Manager" mit installieren, denn nur so bekommt man in den Preferences des Browsers die Möglichkeit, SSL-Einstellungen zu verändern! In diesem konkreten fall muß nämlich die Checkbox "Enable TLS" deaktiviert werden um so den Browser zu veranlassen eine Verbindung nach SSL 3.0 oder SSL 2.0 (also wie bei anderen Browsern heute auch) aufzubauen.
- Geschwindigkeit:
Die Seiten werden meiner Meinung nach relativ flott aufgebaut - zumindest schneller, als es beim Netscape Communicator 4.5 der Fall war. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber älteren Versionen ist, daß beim Vergrößern/Verkleinern des Browserfensters jetzt nicht nochmal die Seite neu geladen wird, sondern der Inhalt einfach der neuen Fenstergröße entsprechend angepaßt wird - also so, wie man es von anderen Browsern schon längst gewohnt ist.
>>>>> Nützliche Features <<<<<
Ein paar Features sind mir aufgefallen, die ich hier
an dieser Stelle nochmal besonders herausstellen möchte - leider kann ich nicht sagen, ob es sich dabei um wirklich neue Features handelt oder ob einige davon vielleicht schon in Netscape 6.0 eingeführt wurden, aber für mich als "Netscape 4.5 User" waren sie neu:
- Unterdrückung der Werbefenster-Flut
Wer sich schon immer gewünscht hat, die nervenden kleinen Werbefenstern beim Laden von Seiten endlich mal in die Verbannung jagen zu können, für den hat Mozilla jetzt die richtige Antwort: durch einen zusätzlichen Eintrag in einer Konfigurationsdatei kann man der Werbeflut endlich ein Ende setzen, denn dieser Eintrag verhindert, daß während eine Seite geladen und aufgebaut wird, weitere Seiten erzeugt werden. Da dies jedoch unter Umständen gewünscht ist, kann das Feature separat ein- und ausgeschaltet werden...
Ich habe das Feature bei diversen Seiten ausprobiert (z.B. www.t-online.de ;o) ) und so wie es ausschaut, funktioniert diese Funktionalität einwandfrei - also aus Sicht des Benutzers ;o) - denn die nervenden Werbefenster erscheinen nicht mehr... Klar - das kann man auch mit Zusatzprogrammen wie WebWhasher o.ä. erreichen, aber wenn's der Browser selbst übernehmen kann, ist mir das auch recht ;o)
- Das Ende der blinkenden Bildchen
Ein weiteres - sehr nützliches Feature, was sich allerdings auch wieder gegen die werbende Industrie richtet - ist die Möglichkeit, die Animation von GIF-Dateien in 3 Stufen zu konfigurieren: entweder gar keine Animation oder ein Animationsdurchlauf oder aber sooft wie im GIF-Bild vorgegeben.
Achtung: Dies betrifft nur Bilder, die im GIF-Format vorliegen - die meißten Werbe-Bildchen liegen zwar momentan noch im GIF-Format vor, aber gerade in letzter Zeit werden auch immer mehr Banner als Flash-Dateien in Web-Seiten eingebaut. Ein weiterer Nachteil ist, daß Mozilla technisch bedingt nicht zwischen Werbung und gewollten Homepage-Inhalten unterscheiden kann - wenn also ein Homepage-Betreibe
r seine Besucher mit lustigen Animationen beglücken will, dann werden diese entsprechend den gemachten Einstellungen genauso behandelt wie nervende Werbe-Bildchen.
Ich habe diese Einstellung momentan auf "einmal" stehen - so läuft die Animation einmal durch und danach hat sich's... :o))
- "Jäger und Sammler": Sammeln von email-Adressen
Standardmäßig existieren im Adreßbuch von Mozilla zwei Adreßlisten: einmal das altbekannte "Personal Addressbook" und zusätzlich das "Collected Addresses". In dieses Addressbuch trägt Mozilla alle Adressen (incl. Display-Name und - falls vorhanden - Tel. Nr. und Firmen-Name) ein, die ihm während der Bearbeitung von Mails (oder auf Wunsch auch von Newsgroup-Beiträgen) "in die Finger" geraten. Dabei kann konfiguriert werden, ob nur ausgehende Mails oder nur eingehende Mails oder beide Arten von Mails / Newsgroup-Beiträgen nach neuen Adressen durchforstet werden sollen. Auch die Größe dieser Liste (max. Anzahl an Adressen) kann konfiguriert werden - standardmäßig werden 700 Adressen gesammelt. Von dieser Liste aus kann man dann einfach per Drag and Drop Adressen in sein "Personal Addressbook" einfügen.
Ich finde dieses Feature sehr gut - allerdings fehlt mir bei der Knofiguration noch ein wichtiger Punkt - es gibt keine Möglichkeit, einen Filter vorzuschalten um bestimmte Mail-Adressen (z.B. von einem bestimmten Server) erst gar nicht wieder in diese Liste der gesammelten Adressen aufzunehmen. Um so eine Funktion evtl. mal zu bekommen habe ich einen sogenannten "Enhancement-Bug" bei mozilla.org geöffnet. Eventuell wird sich da also noch was tin... ;o))
- Keywords bei Bookmarks
Beim Anlegen von Bookmarks (und auch nachträglich noch) können Bookmarks mit einem sogenannten "Keyword" versehen werden, die später zum späteren Aufspüren von Bookmarks benutzt werden können. Dieses Feature ist aber momentan noch recht halbherzig i
mplementiert, da diese Keywords erst nachträglich eingegeben werden können: Zum einen gibt es die Möglichkeit ein Bookmark immer in einem Standardordner ablegen zu lassen, um Seiten schneller (also ohne viel Maus-Schubserei) abzulegen => hier kann man also schonmal keine Keywords eingeben - und zum anderen kann man Bookmarks mit einem separaten Dialog erzeugen, bei dem man den Namen und die URL, sowie einen Kommentar eingeben muß. Aber auch hier gibt es keine Möglichkeit auch gleich noch Keywords anzugeben. Dies kann man erst tun, nachdem das Bookmark erzeugt wurde und die "Properties" für dieses Bookmark ändert.
Zur Zeit benutze ich dieses Feature nicht, da sich meine Liste noch in überschaubaren Dimensionen bewegt und man durch Gruppieren der Bookmarks in unterschiedlichen Ordnern ja auch schon etwas Übersicht behält - aber für jemanden der hunderte von Bookmarks hat, mag diese Sache mit den Keywords ganz nützlich sein - zumal die Such-Optionen sehr umfangreich sind (man kann die Attribute "Name", "location", "description" und eben besagtes "Keyword" mittels "contains", "starts with", "ends with", "is", "is not" und "doesn't contain" durchsuchen lassen).
- Mehrere Accounts bei Mail-Client
In früheren Versionen des Mail Clients war es nicht möglich, Mails von unterschiedlichen Mail-Servern abzuholen und in getrennten Ordnern zu verwalten bzw. Mails über unterschiedliche SMTP-Servern zu senden. Mit Mozilla 0.9.4 ist dies nun problemlos möglich wobei man für jeden Account umfangreiche Einstellungen vornehmen kann, die allerdings den Rahmen hier sprengen würden... :o))
>>>>> Kammerjäger + Schreiberlinge gesucht <<<<<
Zum Abschluß möchte ich jeden, der sich Mozilla runterladen will oder dies schon getan hat, dazu ermutigen, auch wirklich aktiv an der Weiterentwicklung dieses Browsers (und der zugehörige
n Komponenten) mitzuarbeiten! Ich denke, wenn man sich anschaut, was dort bisher geleistet wurde und was noch an Arbeit bevorsteht, kann man verstehen, daß mozilla.org froh um jeden Bug ist, der gemeldet wird, damit die Software Schritt für Schritt besser wird.
Je nach schwere des Fehlers kann man dann sogar über Nacht neue Updates bekommen, allerdings sollte man sich immer drüber im Klaren sein, daß knapp 10 MB für ein Modem zum downloaden kein Pappenstiel ist :O))
Darüberhinaus werden auch noch ständig Leute gesucht, die Dokumentationen oder Hilfe-Dateien schreiben wollen - es besteht also nicht nur Bedarf an "Software-Knechten" und Kammerjägern - auch Mitglieder der schreibenden Zunft sind bei mozilla.org gern gesehene Leute... ;o))
>>>>> Abschließende Bewertung <<<<<
Ihr habt es gemerkt - ich habe relativ oft die Phrase "wie man es heute schon von anderen Browsern gewohnt ist" gebraucht - und tatsächlich denke ich, daß Mozilla.org es mit der vorliegenden Version geschafft hat, sowohl in Puncto Funktionalität aufzuholen, aber auf der anderen Seite eben auch interessante neue Features zu implementieren und dabei die Systemstabilität so zu verbessern, daß ich die vorliegende Version mit gutem Gewissen an experimentierfreudige und sich dem Risiko bewußte User weiterempfehlen kann!
Hier meine Bewertung im einzelnen:
Positiv:
- Open Source Projekt
- mittlerweile sehr stabiler Browser
- umfangreiches Paket incl. Multi-Account Mailclient, Chatclient + HTML-Editor
- hoher Bedienkomfort und geniales "Look & Feel" bei Verwendung des Modern-Themes (OK - Geschmacksache ;o) )
- aktive Teilnahme an Weiterentwicklung möglich
- interessante neue Ideen wie z.B. autom. Ausblenden von Popup-Fenster oder Autocollect-Adreßbuch
- geringer Platzbedarf auf der Festplatte
- einfache und schnelle Installation
- gemeldete Fehler werden i.d.R. innerhalb wenig
er Stunden analysiert und bewertet und ggf. sofort gefixt
Negativ:
- noch keine endgültige Version
- bei einigen Internetseiten Darstellungsprobleme (liegt teilweise auch an den Seiten selbst)
- Probleme bei älteren SSL-Seiten, die TLS nicht unterstützen
- Systemanforderung mit P-233 etwas zu niedrig angesetzt (evtl ändert sich mit der "final version" 1.0 etwas, denn momentan sind Debug-Informationen und anderer "Balast" im Code enthalten und bis dahin sollen auch noch weitere performance-steigernde Maßnahmen eingeleitet werden)
Unter der Voraussetzung, daß die Darstellungsprobleme (sofern sie von Mozilla selbst verursacht werden) in der endgültigen Version behoben sein werden, vergebe ich 4 Sterne für Mozilla. Das Produkt läuft außerordentlich stabil und die Tatsache, daß es sich dabei um ein Open Source Projekt handelt, könnte helfen, mögliche Sicherheitslücken früher aufzudecken als bei anderen Produkten.
Wer sich des Riskos der "0" vor'm Komma bewußt ist und gerne experimentiert, sollte Mozilla auf jeden Fall mal als Zweitbrowser zu installieren - bei mir ist der kleine Dino zwischenzeitlich zum ausgewachsenen Default-Browser "mutiert" ;o)
Fazit:


24.03.02
bin beeindruckt