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Finger Weg von dieser Aktie!
Arcandor AG (WKN 627500)

Name des Mitglieds: eoxyd
Produkt:
Arcandor AG (WKN 627500)
Datum: 04.12.11
Bewertung:
Vorteile: es besteht die klitzekleine Chance, dass irgendjemand einmal den Börsenmantel übernimmt
Nachteile: sehr teuer für ein insolventes Unternehmen
Heute möchte ich über eine sehr heisse Aktie berichten:
Die Arcandor AG
Gleich vorweg für alle, die es nicht mitbekommen haben: Dieses Unternehmen ist pleite und befindet sich in Liquidation.
Dabei begann es recht viel versprechend, als 1999 die Karstadt mit Quelle fusionieren. Daraus entstand die KartadtQuelle AG. Es war ein gigantischer Konzern, mit theoretisch vielen Synergiemöglichkeiten. 2004 sollen mit über 100.000 Mitarbeitern Umsätze von über 15 Milliarden Euro erzielt worden sein. Aber Kaufhäuser haben es in Deutschland nicht leicht, so darbt die Branche schon seit Jahren.
KarstadtQuelle hat sich ab 2004 im Zuge einer Restrukturierung von vielen Beteiligungen getrennt. Darunter DSF und die Beteiligung an Starbucks.
Die Quelle Erbin Madeleine Schickedanz steigt im Jahr 2005 zur wichtigsten Aktionärin auf und setzt Dr. Thomas Middelhoff auf den Stuhl des Vorstandschefs. Wie wir wissen war dieser Zug wohl nicht so glücklich gewählt. Anfangs schien es, dass das Unternehmen die Kurve bekommt. Es wurden Schulden abgebaut indem Immobilien verkauft und anschließend teuer zurückgemietet wurden. Anfangs bringt das viel Geld ein, aber auf Dauer waren die Mieten einfach zu hoch für den Konzern.
Im Jahr 2007 erfolgte die Umbenennung in Arcandor. Ein Kunstname, der für Wertsteigerung stehen sollte. Es kam anders. Der Konzern geriet wieder in Schieflage. Mit einer Kapitalerhöhung versuchte der Konzern zu frischem Geld zu gelangen, diese Kapitalerhöhung erfolgte Ende 2008 und wurde vollständig von der Privatbank Sal. Oppenheim getragen. Sal. Oppenheim übernahm auch einige Aktien von der Großaktionärin Schickedanz. Aber auch das brachte den Konzern nicht aus der Krise. Es mussten Kredite vergeben werden.
2009 spitze sich die Krise im Konzern zu. Damals begann auch die Subprime-Krise. Der Konzern hoffte auf neue Mittel von Sal. Oppenheim im Zuge einer weiteren Kapitalerhöhung und auf Staatsgarantien. Am 09. Juni 2009 war es dann vorbei, Arcandor musste die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen.
Für die Aktionäre des Unternehmens war das nicht gut. In der Regel bleibt für die Eigentümer am Ende eines Insolvenzverfahrens nichts mehr übrig. Zuerst werden nämlich immer die Gläubiger bedient. Im Falle von Arcandor waren die Filetstücke bereits im Vorfeld als Kreditsicherheiten vergeben. Z. B. die Beteiligung an Thomas Cook. Andere Gläubiger bekommen am Ende eines Insolvenzverfahrens Anteilig das, was dann noch übrig bleibt. Oft muss man sich mit einer Quote von wenigen Prozent zufrieden geben.
Unternehmen die sich in einem Insolvensverfahren befinden, bleiben in der Regel dennoch weiter Börsennotiert. Den Grund dafür kenne ich nicht aber ich kenne auch keinen Gegenteiligen Fall. Vermutlich sind diese Gesellschaften vertraglich dazu verpflichtet oder eben die Börse.
Auch im Fall Arcandor kann man immer noch Aktien von dieser Gesellschaft kaufen. Das ist allerdings ein reines Zockerpapier und nicht als Geldanlage geeignet. Es gibt keine Hoffnung darauf, dass die Aktionäre noch Geld erhalten. Dennoch notiert die Aktie derzeit bei ca. 6 Cent. Insgesamt bewertet die Börse Arcandor mit ca. 14 Millionen Euro (Quelle: Onvista). Ziemlich viel Geld für etwas, was theoretisch nichts mehr Wert ist. Theoretisch. Ganz richtig ist die Aussage nämlich faktisch nicht. Denn es gibt immer wieder den Fall, dass ein leeres Unternehmen aufgekauft wird...man spricht bei Unternehmen, bei denen im Grunde nichts mehr da ist, außer die Börsennotiz von Unternehmensmantel. Solche Unternehmensmantel werden, so hoffen die Investoren, gekauft um eine schnelle Börsennotiz zu erlangen. Früher gab es das angeblich öfters (vermutlich konnten damals auch Verlustvorträge Steuermindernd genutzt werden), aber zwischenzeitlich ist das nicht mehr allzu populär. Dennoch kenne ich in jüngerer Vergangenheit einen Fall: Mox Telecom hat sich zum Beispiel die Mediasource AG gesichert. Aber die Chance dass jemand noch die Hülle von Arcandor kauft, halte ich für sehr gering. 14 Millionen Euro sind schließlich kein Pappenstiel.
Daher: Finger weg von dieser Aktie!
Fazit: Finger weg

