BMW AG (WKN 519000)
Goliath vs. Goliath - BMW AG (WKN 519000) Aktien

Neuester Testbericht: ... für langfristige Anleger spielt das ohnehin keine Rolle. Daimler musste in der Vergangenheit immer wieder eine (feindliche) Übernahme f... mehr

Goliath vs. Goliath
BMW AG (WKN 519000)

eoxyd

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BMW AG (WKN 519000)

Datum: 10.01.10, geändert am 18.08.10 (364 Lesungen)

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Vorteile: Interessantes Unternehmen, positive Zukunft, solide Bilanz

Nachteile: niedrige Dividende, Stammaktie ist nicht mehr günstig bewertet

1. Prolog
2. Kurzfassung BMW Stamm-Aktie
3. Unterschied von Stamm- und Vorzugsaktien
3. Goliath vs. Goliath
4. Greenwashing
5. Aktionärsstruktur
6. Dividende
7. Elektromobilität
8. Unternehmenseinschätzung
9. Bilanz
10. Fazit





*** 1. Prolog ***

Deutschland ist bekanntlich stark im Maschinenbau und im Automobilbau. Beides sind Branchen, die massiv unter der Wirtschaftskrise zu leiden hatten und immer noch darunter leiden. Die Abschwungphase scheint zumindest im Maschinenbau gestoppt zu sein, tatsächlich konnten dort zum Teil sogar steigende Auftragszahlen verbucht werden. In der Automobilbranche konnten wir vor allem in Deutschland durch das wirkungsvollste Konjunkturprogramm ein kleines Nachfragewunder erleben: durch die Abwrackprämie. Aber bekanntlich waren es vor allem die Kleinwagenhersteller, die davon profitiert haben, und darunter vor allem die ausländischen. Der Erfolg dieser Kleinwagenhersteller liegt auf der Hand, umso teurer das neue Auto ist, umso mickriger erscheint die Abwrackprämie und umgekehrt. Natürlich mussten deswegen vor allem unsere Premiumhersteller hinten anstehen. Und nicht vergessen sollte man außerdem, dass ein 10 Jahre alter Mercedes in der Regel erst seine Lebensmitte erreicht hat.

Während also vor allem VW (neben der Hauptmarke VW auch mit der Tschechischen Marke Skoda und der spanischen SEAT) und Opel volle Auftragsbücher bekamen, mussten AUDI, Porsche, Mercedes und BMW weiter darben. Nun ist nicht nur das Ende des Wirtschaftsabschwungs erreicht (Deutschland und auch international wächst das BIP wieder), sondern auch die Abwrackprämie läuft aus und beendet damit die Vorteile für die Volumenhersteller.

Tatsächlich wird sogar erwartet, dass durch die Abwrackprämie viele Käufe vorgezogen wurden, diese fehlen nun in diesem und im nächsten Jahr. Die Mehrzahl der Automobilhersteller stellt sich nun auf frostige Zeiten ein, so mancher Hersteller sucht sein Glück in den aufstrebenden Märkten in Asien (Indien und China, beide Länder verzeichnen ein hohes Wirtschaftswachstum trotz Finanzkrise). Die deutschen Premiumhersteller wittern ihre Chance. Da sie nicht von der Abwrackprämie profitierten, schadet ihnen der Wegfall dieser Subvention folglich auch nicht.

Sieht die Zukunft um BMW und den anderen deutschen Premiumhersteller nun wieder rosig aus?




*** 2. Kurzfassung BMW Stamm-Aktie ***

WKN: 519000
ISIN: DE0005190003
Branche: Automobil
Kurs: 32,09 Euro (05.01.2009)
Börsenwert (lt. Börse Online): 20,52 Milliarden Euro
Streubesitz (lt. Onvista): 49,76 %
CEO: Norbert Reithofer
Internetadresse: www.bmwgroup.com




*** 3. Unterschied von Stamm- und Vorzugsaktien ***

Dieser Bericht handelt über die BMW Stammaktien und konzentriert sich daher auch auf diese Aktiengattung. Daneben gibt es aber noch BMW Vorzugsaktien, den Unterschied zwischen diesen beiden Aktiengattungen möchte ich deswegen erklären:

Stammaktien sind die ganz gewöhnlichen Aktien, die wir von jeder AG kennen. Sie sind mit einem Stimmrecht ausgestattet, dass dem Aktionär ein Mitspracherecht verleiht. Gewöhnlich wird dieses Stimmrecht auf der jährlich stattfindenden Hauptversammlung ausgeübt. Jede Stammaktie verkörpert eine Stimme. Je mehr Aktien man also hält, desto mehr Stimmen hat man. Gewöhnlich sind diese Stimmrechte für Kleinaktionäre nicht relevant, da sie ohnehin nicht viel ausrichten können. Das erklärt wohl auch, warum oft nur ein Teil der tatsächlich vorhandenen Aktionäre ihr Stimmrecht an einer Hauptversammlung ausübt. Daher ist es für Großaktionäre oft möglich auch mit weniger als 50 % der Stimmen wesentliche Entscheidungen durchzubringen.
Die Mehrzahl der Aktiengesellschaften kennt nur diese eine Form der Aktien. Einige wenige haben aber auch noch Vorzugsaktien im Umlauf, so auch BMW. International ist die Vorzugsaktie fast völlig unbekannt. Es handelt sich also um eine deutsche Besonderheit.
Vorzugsaktien sind gewöhnlich mit keinem Stimmrecht ausgestattet. Der Name Vorzugsaktie ist dabei etwas irreführend, weil er suggeriert, dass es einen Vorteil geben muss und ein fehlendes Stimmrecht ist ja schließlich kein Vorteil. Nun, der Vorteil dieser Aktiengattung liegt darin, dass diese Aktien bei der Gewinnausschüttung (Dividende) bevorzugt behandelt werden. Das heißt in der Regel, dass die Vorzugsaktionäre eine höhere Dividende erhalten.
Für Kleinanleger ist diese Aktiengattung daher nicht unattraktiv. Sie verkörpert schließlich den gleichen Anteil am Unternehmen wie die Stammaktie.




*** 4. Goliath vs. Goliath ***

BMW liegt im Dauerklinsch mit Mercedes. Beide versuchen sich ständig zu überbieten. Jeder für sich beansprucht das Premiumsegment zu dominieren. Trotz aller erbitterter Konkurrenzkämpfe haben die beiden Hersteller auch schon versucht in manchen Bereichen eng zusammen zu arbeiten. Tatsächlich sind die meisten Versuche aber gescheitert. Besonders bei den Mitarbeitern ist der Konkurrenzgedanke tief verankert. Was nicht unbedingt falsch sein muss: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Doch beide Hersteller müssen ihre Kosten senken, denn vor allem Audi holt massiv auf. Kein Wunder, Audi hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil auf die Produkt- und Entwicklungspalette der Mutter zurückgreifen zu können. Immerhin werden im VW Konzern über 6 Millionen Fahrzeuge im Jahr hergestellt. BMW und Mercedes liegen weit abgeschlagen zurück. Wegen der Wirtschaftskrise leiden beide Hersteller, ein gutes Stück über eine Million Fahrzeuge müsste aber jeder der beiden Hersteller 2009 geschafft haben. Im VW Konzern können die Entwicklungskosten auf viel mehr Fahrzeuge verteilt werden, die Kostenvorteile liegen hier klar bei Audi.

Dass eine enge Zusammenarbeit mit Mercedes nicht klappt sehe ich persönlich kaum negativ. Beide Hersteller sollten sich auch weiterhin attackieren, den Kunden wird's freuen. Technisch wie auch Preislich werden die Autos dadurch eher konkurrenzfähig sein, was bei einer engen Zusammenarbeit beider Hersteller vielleicht gefährdet wäre. Das bedeutet aber nicht, dass BMW nicht mit anderen Autokonzernen Partnerschaften eingehen soll. Die Entwicklungskosten müssen auf mehr Fahrzeuge verteilt werden, auch um den Automobilstandort Deutschland zu stärken.




*** 5. Greenwashing ***

Es gibt Konzerne, die geben sich gerne einen grünen Anstrich um besonders umweltfreundlich zu wirken. Wer denkt mit einer Spende von 10 Euro an Greenpeace hätte man die Welt gerettet irrt sich gewaltig. Doch genau das ist nicht selten traurige Wahrheit. Der Chef von Solarworld Frank Asbeck beschreibt in seinem Buch "Eine solare Welt" wie er hautnah Greenwashing bei einem namhaften Ölkonzern miterleben durfte. Der Geschäftsbericht des Ölunternehmens war demnach vollgefüllt mit Informationen über die eigene Ökostromsparte. Dabei hatte der Ökobereich Umsatztechnisch absolut keine Bedeutung. Es war nur ein vorgeschobenes Argument, um besonders Umweltfreundlich zu wirken, dabei wurde das Geld weiterhin "schmutzig" verdient.

Bei BMW fällt derzeit die Werbung auf, dass der Automobilkonzern eine Null-Emission anstrebt. Greenwashing? Nur ein grüner Anstrich für einen Konzern, der weiterhin Motoren Herstellt deren Leistung jenseits des vernünftigen Bereichs liegt? Tatsächlich versucht BMW den Spagat zwischen Sportlichkeit und Umweltschutz. Das bisherige Ergebnis ist zwar nicht die Weltrettungsformel, dennoch aber vorweisbar. Das Stichwort lautet "Efficient Dynamics". Jeder hat es schon gehört. BMW trimmt die eigenen Fahrzeuge auf Kraftstoffeffizienz und nimmt dabei schon eine Führungsrolle bei den europäischen Fahrzeugherstellern ein. Natürlich gibt es genügend Fahrzeuge, die mit weniger Kraftstoff auskommen, aber man kann einen Smart wohl kaum mit einem 3er BMW vergleichen. Die Motorisierung und das Gewicht sind exorbitant verschieden. Trotzdem versucht BMW aus jedem PS die maximale Leistung herauszukitzeln. Beispielsweise hat die Start-Stop-Automatik in fast allen Autos bei BMW Einzug gefunden. Dabei verspricht BMW die Kosten für die Ökokur nicht auf die Kunden abzuwälzen, sondern selbst zu schultern. Tatsächlich lohnt sich da ein Blick zur Konkurrenz: VW kassiert für die BlueMotion Modelle einen Aufpreis.

Überhaupt stehen auch andere Hersteller im Dilemma, dass sie langfristig gesehen den Ökoanspruch nicht unbedingt zu Geld machen können. Der Konkurrenzdruck ist groß und somit dürfte immer mehr Öko für immer weniger Geld zu haben sein. Bei BMW wird zwischenzeitlich der Ökogedanke aber als Unternehmensgrundsatz verinnerlicht. Nicht nur die Autos sollen Umweltfreundlicher werden, sondern auch die Herstellung. Ein zwar wenig hilfreicher, dennoch schöner Ansatz ist auch, dass das Dach der BMW Welt mit Fotovoltaikanlagen bedeckt wurde und nun mit der Sonne elektrischen Strom erzeugt wird. Ein Atomkraftwerk ersetzt das natürlich nicht.

Greenwashing ist es also nicht, was BMW betreibt, sondern ein Vorbildliches Verhalten zu mehr Umweltschutz und dafür nimmt BMW viel Geld in die Hand. Dass dies nicht zu Lasten des Kunden gehen soll ist sehr löblich, den Aktionär wird das wohl erst langfristig freuen, denn auch ein gutes Markenimage hat einen Wert.
Übrigens ist es nur konsequent, dass BMW aus der Formel 1 (BMW-Sauber) ausgestiegen ist. Ab der Saison 2010 wird es kein BMW Team mehr geben. Formel 1 und Umweltschutz lassen sich kaum unter einen Hut bringen. Bemerkenswert ist hier, dass Mercedes die Aktivitäten in der Formel 1 sogar verstärkt.




*** 6. Aktionärsstruktur ***

BMW hat mit der Familie Quandt einen festen Großaktionär, der voll hinter den Unternehmen steht. Tatsächlich hat BMW mehr den Anschein, als handle es sich um ein Familienunternehmen. Kurzfristige Gewinnorientierung hat wenig Bedeutung, viel mehr Wert wird auf die langfristige Unternehmensentwicklung gelegt. Das kann ich nur begrüßen, es wäre traurig BMW in fester Hand von "Heuschrecken" zu sehen, die nur auf schnelle Gewinne aus sind.

Nachteilig ist allerdings für kurzfristig orientierte Anleger, dass eine Übernahme (egal ob freundlich oder feindlich) beinahe unmöglich ist. Ohne Übernahmefantasie wirkt die Aktie ein wenig uninteressant, doch für langfristige Anleger spielt das ohnehin keine Rolle. Daimler musste in der Vergangenheit immer wieder eine (feindliche) Übernahme fürchten, besonders dann, wenn der Aktienkurs im Keller war, Unsicherheiten bei der Belegschaft über die Zukunft des Unternehmens lassen sich dabei kaum vermeiden, BMW hat dieses Problem nicht (Bei Daimler hat sich dieses Problem zwischenzeitlich mit dem Einstieg von Dubai auch erledigt).




*** 7. Dividende ***

Nachdem die Dividende für das Jahr 2007 (Ausschüttung im Jahr 2008, Dividenden werden in der Regel immer im laufenden Jahr für das vorhergehende Geschäftsjahr ausbezahlt) mit 1,06 Euro je Aktie noch ganz akzeptabel war musste die Dividende für 2008 auf magere 30 Cent reduziert werden, da die Gewinne extrem eingebrochen sind. Für das Jahr 2009 erwartet Börse Online eine gleich bleibende Dividende von 0,30 Euro, wobei die Zeitschrift nur mit einem Gewinn je Anteilsschein von 0,10 Euro rechnet. Das würde Bedeuten, dass die Dividendenzahlung die Substanz des Unternehmens leicht angreifen würde (Dividende größer Gewinn).

Der derzeitige Aktienkurs liegt für die DAX-Notierten Stammaktien um die 32 Euro. Damit würde sich eine mickerige Rendite von 0,9 % ergeben. Wobei nicht mal sicher ist, ob überhaupt die 0,30 Euro ausbezahlt werden (zumindest verkraften würde es das Unternehmen). Für den Erzrivalen Daimler erwartet die Börse Online für das Jahr 2009 keine Dividendenzahlung. So gesehen dürften die BMW Aktionäre dieses Jahr trotz niedriger Dividende besser abschneiden.

Die Dividende für die Zukunft vorauszusehen ist sehr schwierig. Börse Online erwartet auch für das laufende Jahr (Ausschüttung 2011) eine gleich bleibende Dividende von 0,30 Euro. Ich denke, dass diese 0,30 Euro das Minimum darstellen. Abhängig davon wie sich das laufende Geschäftsjahr entwickelt, könnte die Ausschüttung auch weit darüber liegen. Dennoch muss man beachten, dass die Automobilhersteller derzeit ihr Geld eng zusammenhalten müssen. Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen werden die Kassen in den nächsten Jahren noch stark strapazieren. Ebenso müssen die klassischen Verbrennungsmotore auf Effizienz getrimmt werden, wofür BMW viel Geld in die Hand nimmt. Man muss hier aber beachten, dass die Verbrennungsmotore bald ihren Niedergang erleben werden. Es ist nicht sicher, ob sich diese Investitionen langfristig überhaupt rentieren.
Daher erwarte ich für die nächsten Jahre eher eine zurückhaltende Dividendenpolitik, auch wenn die Gewinne wieder stark anziehen sollten.




*** 8. Elektromobilität ***

Wie eben schon erwähnt steht der klassische Verbrennungsmotor (Diesel/Ottomotor) wohl langfristig vor dem Aus. Derzeit gibt es bei vielen Menschen die Erwartungshaltung, dass die Umstellung auf ein reines Elektrofahrzeug kurz bevor steht. Zumindest wird so die Kaufzurückhaltung der Kundschaft erklärt. Tatsächlich steht dafür noch viel Arbeit bevor und günstig wird das auf keinen Fall. Reine elektrisch betriebene Fahrzeuge á la Tesla werden auf deutschen Straßen auch in naher Zukunft eher eine seltene Erscheinung sein. Kombinationsantriebe werden aber schon bald immer mehr Kunden erfreuen. Doch auch diese so genannte Hybridtechnik ist nicht günstig. Immerhin müssen zwei verschiedene Motore und je nach Konzept oft auch zwei Kupplungen in das Fahrzeug eingebaut werden. Ebenfalls muss neben dem klassischen Treibstofftank auch ein nicht günstiger Akku im Fahrzeug Platz finden. Ebenfalls eine Herausforderung ist die Steuerung der beiden Antriebsquellen.

Die Asiaten, allen voran Toyota, haben schon jahrelange Erfahrung mit der Hybridtechnik sammeln können. Und der aktuelle Toyota Prius scheint ein Kassenschlager zu sein, ganz abgesehen davon profitiert Toyota auch von einem Imagegewinn durch den Hybrid. Dabei wird oft übersehen, dass auch deutsche Dieselmotore bei der Effizienz ganz weit vorn liegen. Diese Technik ist noch nicht ausgereizt, gilt aber dennoch als Zukunftslos.

BWM traut sich bislang nur langsam an die Elektromobilität heran. Immerhin ist es ein teures und nicht ganz unriskantes Unterfangen. Erfahrungen sind bei dieser neuen Technik sehr wichtig. Daher wird es vorerst bei Feldversuchen mit Elektro-Minis bleiben. Ein Blick zu VW: auch hier werden die reinen Elektrofahrzeuge zurückbehalten. Man sollte nicht unterschätzen, wie teuer so ein Akku ist. Lithium-Ionen Akkus sind zwar gegenüber Bleiakkus sehr Leistungsstark, der reine Elektroflitzer von Tesla verspricht eine Reichweite von 200 Kilometer mit einer Aufladung. In der Praxis kann man schon froh sein, wenn die Hälfte der Strecke erreicht wird. Hier muss noch viel geforscht werden, damit die Akkus Alltagstauglich sind. Unsicher ist auch, ob die Akkus auch über viele Jahre zuverlässig arbeiten und letztlich sollte auch das Problem mit der Überhitzungsgefahr der Akkus sicher gelöst sein.

Opel wird Ende 2011 wohl als erster deutscher Hersteller einen PKW auf den Markt bringen, der rein elektrisch gefahren werden kann: den Ampera. Um das Reichweitenproblem zu lösen ist ein kleiner Verbrennungsmotor eingebaut, der den Akku nachladen kann, sobald dieser entladen ist. Kurze Strecken können so rein elektrisch gefahren werden, und lange Strecken sind mit einem vergleichsweise geringen Spritverbrauch möglich. Der Vorteil, dass ein nicht allzu großer Akku nötig ist, vergünstigt das Fahrzeug im Preis aber nicht genügend. Mit über 30.000 Euro muss gerechnet werden, daher dürfte der Ampera wohl kein Verkaufsschlager werden. Zu hoffen ist, dass BMW die Zeit nutzt und später dafür einen besseren und günstigeren Konkurrenten zum Ampera auf den Markt bringt.

Noch eine kleine Nachbemerkung: Die Forschung am Wasserstoffantrieb wurde bei BMW Ende 2009 aufgegeben. Auch bei VW sieht man für die Wasserstofftechnik vorerst keine Zukunft. Allein Daimler hält unter den deutschen Herstellern noch daran fest. Es zeichnet sich ab, dass der Elektroantrieb als Gewinner hervorgehen wird. So gesehen ist es wohl nicht schlecht, wenn BMW die Entwicklung auf diese Technologie forciert.




*** 9. Unternehmenseinschätzung ***

An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Nur kennt niemand die Zukunft, ein Blick in die Vergangenheit des Unternehmens bietet sich an, doch sollte man sich im Klaren sein, dass diese Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden kann.

Im Jahr 2006 hat BMW noch 4,38 Euro je Aktie Gewinn geschrieben, im Folgejahr waren es sogar 4,78 Euro, bekannt ist auch, dass das Jahr 2008 dann nur mit einem hauchdünnen Gewinn von 0,49 Euro abgeschlossen wurde. Die Finanzkrise hat aber erst im Jahr 2009 mit ganzer Herzlichkeit zugeschlagen, BMW kam vor den anderen Herstellern unter Ertragsdruck. VW hat Beispielsweise das Jahr 2008 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Auch beim Erzrivalen Daimler war im Jahr 2008 der Einbruch im Ergebnis nicht ganz so drastisch wie bei BMW.

Wegen der oben schon beschriebenen erzwungenen Umstellung weg von den klassischen Verbrennungsmotoren hin zur Elektromobilität wird BMW in dieser Übergangsphase an mehreren Antriebskonzepten gleichzeitig Arbeiten und Forschen müssen. Die Kosten hierfür werden sich auch in den nächsten Jahren in der Gewinn- und Verlustrechnung bemerkbar machen. Daher rechne ich nicht damit, dass BMW schnell wieder an die Ergebnisse aus den Jahren 2006 und 2007 anknüpfen kann. Allerdings haben auch andere Autohersteller das gleiche Problem. Größenvorteile gewinnen daher an Gewicht. Da BMW eher teure Fahrzeuge anbietet, dürften die Entwicklungskosten eher zu verschmerzen sein. In den nächsten Jahren wird vermutlich der eine oder andere Konkurrent aus dem Markt verschwinden, was es BMW langfristig erleichtern dürfte hohe Gewinne zu erwirtschaften. Besonders im Blick auf den Erzrivalen Daimler sehe ich BMW besser aufgestellt. Die Verinnerlichung des Umweltgedankens könnte schon in den nächsten Jahren erste Früchte tragen.

Wichtig ist für BMW aber, dass weitere Partner gefunden werden oder vielleicht auch ein Konkurrent aufgekauft werden sollte um an Größe zu gewinnen. An Kaufgelegenheiten scheint es derzeit allerdings zu fehlen. Bei Volvo hat BMW bereits in der Vergangenheit abgewunken. Vielleicht liegt der Schock noch tief von der Rover Übernahme, die sich als Milliardengrab entpuppte. Theoretisch dürfe BMW aber auch allein recht gut über die Runden kommen. Mit den drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ist der Konzern gut aufgestellt und dürfte in den nächsten Jahren auch ohne Zukäufe wieder wachsen, besonders in China und Indien ist noch viel Potential vorhanden. Interessant ist vielleicht auch, dass BMW in China "Bao-Ma" heißt, was übersetzt "edles kostbares Pferd" bedeutet.

Neben dem Automobilgeschäft bietet BMW außerdem noch Motorräder an. Diese Diversifikation in der Produktpalette ist zwar zu begrüßen, bringt aber kaum Vorteile, da sich das Automobilgeschäft und das der Motorräder ähnlich entwickeln. Durch die Wirtschaftskrise ist auch hier ein starker Einbruch zu verzeichnen. Dennoch sollte auch bei den Motorrädern die Talsohle erreich worden sein.

In den ersten Neun Monaten 2009 hat BMW je Stammakte einen Gewinn von 6 Cent erwirtschaftet. Damit ist die Schätzung von Börse Online mit 10 Cent auf das Gesamtjahr vermutlich nah am tatsächlichen Ergebnis. Der Endjahresbericht wird erst in ein paar Wochen geliefert, daher bleibt das Gesamtjahresergebnis vorerst im Dunkeln.

Für den aktuellen Aktienkurs um 32 Euro würde ich bei einem Unternehmen wie BMW es ist ein langfristiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 als Fair empfinden. Das würde implizieren, dass BMW langfristig einen Gewinn von 3,20 Euro je Stammaktie erwirtschaften müsste um dieses Ziel zu erreichen. Derzeit liegen die Münchner noch weit darunter, doch auszuschließen ist es nicht, dass sie in ein paar Jahren zu alten Höchstständen aufbrechen. Immerhin wurde das Unternehmen stark abgespeckt (die Mitarbeiterzahl wurde stark verringert, Kosten wurden gedrückt) und dürfte nun auch bei niedrigeren Absatzzahlen Gewinne schreiben. Dieses und das nächste Jahr werden eher schwer werden, daher sehe ich für die Stammaktie auf dem aktuellen Kursniveau nur geringe Chancen auf einen weiteren Anstieg.




*** 10. Bilanz ***

Die Bilanz eines Unternehmens stellt nur eine Momentaufnahme dar und bietet in der Regel wenig Prognosepotential. Dennoch sollten Anleger sich vor einem Investment in ein Unternehmen die Bilanz genau ansehen. Die aktuellste Bilanz ist die am Ende des dritten Quartals 2009. Das Eigenkapital liegt derzeit knapp unter 20 Milliarden Euro. Damit erreicht das Eigenkapital von BMW fast genau den Börsenwert von BMW der knapp über 20 Milliarden Euro liegt. Da die Vorzugsaktie deutlich günstiger ist als die Stammaktie von BMW verschiebt sich das Gewicht ein wenig zu ungunsten der Stammaktie. Insgesamt sind etwa 654 Millionen BMW Aktien im Umlauf (Vorzugsaktien und Stammaktien), je Aktie ergibt sich daher ein Eigenkapital von etwa 30,50 Euro. Da der derzeitige Aktienkurs nur knapp darüber liegt, scheint das Unternehmen günstig bewertet. Denn oftmals liegt der Aktienkurs weit über dem Wert des Eigenkapitals, dafür gibt es vielerlei Gründe, beispielsweise einen sehr hohen Gewinn oder auch unsichtbare Unternehmenswerte. Letzteres ist bei BMW auch gegeben. Die Marken BMW, Rolls-Royce und Mini sind sehr wertvoll und die gibt es quasi umsonst obendrauf.

Auffallend in der BMW Bilanz ist außerdem der hohe Anteil an Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalenten mit 8,4 Milliarden Euro. Das sichert die Liquidität des Unternehmens und fängt unvorhersehbare Ereignisse leicht auf. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Wert sogar um eine ganze Milliarde Euro gestiegen.

Gegenüber der Bilanzsumme von knapp über 100 Milliarden Euro scheint das Eigenkapital von knapp unter 20 Milliarden Euro recht spärlich zu sein. Man sollte dabei aber bedenken, dass BMW Finanzdienstleistungen anbietet (Fahrzeugfinanzierungen, Leasing), welche die Bilanz um einen hohen Betrag verlängern. Bei der Aufteilung nach Geschäftsfeldern beträgt die Bilanzsumme der Finanzdienstleistungen fast genau 69 Milliarden Euro. Allerdings sind dort viele Doppelzählungen enthalten, die in einem Konzern eben entstehen. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass BMW eine solide Bilanz vorzuweisen hat. Durch die Effizienzprogramme und langsam erholender Weltwirtschaft dürfte BMW ein gewisses Schutzpolster erlangen um negative Nachrichten leicht ausgleichen zu können.




*** 11. Fazit ***

Der Wandel hin zu neuen Antriebstechniken wird für BMW teuer, aber sollte sich in Zukunft auszahlen. Zu hoffen ist, dass BMW verlässliche Partner findet um die Forschungskosten teilen zu können. Vielleicht bietet sich sogar in den nächsten Jahren ein Zukauf an um die Forschungskosten auf mehr Fahrzeuge verteilen zu können.
Der CO2 Verbrauch der Fahrzeugflotte konnte BMW in den letzten Jahren merklich senken, wodurch, trotz hoher Motorisierung, das Unternehmen immer umweltfreundlichere Fahrzeuge verlassen. Die Vorreiterrolle von BMW im Umweltschutz dürfte sich bald positiv auszahlen, auch wenn es derzeit teuer ist, das Image der Marke dahin zu wandeln. Langfristiges Denken verdient Anerkennung. Zum derzeitigen Kurs ist die Stammaktie nicht billig und bietet nun wenig Fantasie auf einen weiteren Kursanstieg. Der zukünftige Erfolg ist weitgehend schon im Kurs eingepreist. Die Dividende reißt keinen vom Hocker und wird auch in Zukunft nur schwach steigen, da das Unternehmen für die Forschung und Entwicklung noch Geld zurückhalten muss.

Ein Investment in BMW Stammaktien drängt sich daher nicht unbedingt auf. Nach Kursrücksetzern können Langfristinvestoren aber ein Investment in Erwägung ziehen, denn immerhin ist auch das Risiko nicht besonders hoch, BMW geht jedenfalls in die Richtige Richtung und gehört dort zu den ersten.
Wirklich interessant sind aber die Vorzugsaktien, die um einiges günstiger gehandelt werden als die Stammaktien.


Ich gebe auf die BMW Stammaktie 3 von 5 Sternen.


Geldanlagen in Aktien sind sehr riskant. Anleger die in Aktien anlegen wollen sollten daher Erfahren sein. Außerdem muss damit gerechnet werden, dass Anlagen in Aktien auch zu einem Totalverlust führen können. Aktien können steigen oder fallen.

Fazit: siehe Bericht